Hans hatte schon viel gehört über Geld, doch selbst hatte er nie welches gehabt. Vielleicht hätte er mal einen Glückspfennig finden müssen und den in sein Geldsäckchen legen - angeblich würden sich dann weitere Münzen hinzugesellen. Und hätte er dann irgendwann ein Säckchen von den Münzen voll, müsste er sich einen Notgroschen zur Seite legen. So erzählten die Leute.
Tief in Gedanken versunken, schlenderte Hans den Weg entlang, hinaus aus dem Dorf und über die Felder. Die Sonne schien und ein leichter Wind wehte. So gelangte er in den nahen Wald und lauschte dem Gesang der Vögel. Der Duft nach Moos und Pilzen zauberte ihm ein Lächeln auf das Gesicht.
Plötzlich aber glitzerte und glänzte etwas, er wendete den Blick und riss die Augen auf. Da lag er: ein riesiger wunderschöner Berg aus Gold. Die Münzen schimmerten verheissungsvoll im Licht der Sonne. Es sah aus, als würden die einzelnen Strahlen elfengleich um den Haufen tanzen. Geheimnisvoll und verlockend lagen die Münzen im stillen Wald.
Hans blieb stehen und schaute den Haufen an. Er konnte nicht wegschauen und fragte sich, wem das Gold wohl gehört. Langsam schaute er sich in alle Richtungen um, doch niemand war in der Nähe.
Vorsichtig trat er an den Haufen heran und streckte den Arm aus. Seine Fingerkuppen berührten die Münzen. Sie waren warm.
Er strich über Oberfläche der Münzen und spürte, wie fest und glatt, ja wie perfekt sie waren. Was er fühlte, passte zu der Schönheit, die seine Augen bereits wahrgenommen hatten. „Ich will ihn für mich. Ganz für mich.", flüsterte er. Vorsichtig nahm er die erste Handvoll Münzen und steckte sie in die Hosentasche. Dann zog er den Gürtel stramm und steckte das Hemd straff in die Hose. Er füllte sich alles in sein Hemd. Dick beulte sich das Hemd nach vorn und als er alles bei sich trug lief er freudig den Weg entlang, bis er zu seinem Häuschen kam. Sorgsam legte er den Schatz auf seinem kleinen schäbigen Tisch ab. Ganz vorsichtig, dass bloss keine Münze verloren gehen würde. Er liess sich auf den knarrenden Schemel nieder und betrachtete den Schatz voller Bewunderung.
„Es ist das erste Mal, dass ich etwas so kostbares ganz für mich habe. Etwas, das nur mir gehört! Mir ganz allein." So flüsterte er und das Gold raunte ihm zu: „So geht es mir auch!"
Wenn wir etwas besitzen, an dem wir so sklavisch hängen: Wer besitzt dann wen?
Ich frage dich: „Wer besitzt dann wen?"
Vielleicht magst du mir deine Gedanken mitteilen. Melde dich gern über die Homepage.
Herzliche Grüsse
Katrin Bamberg
| Fr. 12.06.2026, 19 Uhr | Kirche Sand - Wunschpunsch |
| So. 21.06.2026, 20 Uhr | Theater der 2 Ufer - Sommersonnenwende |
| So. 05.07.2026, 15 Uhr | Villa Jamm Lahr - Märchen für die Familie |
| Fr. 10.07.2026, 19 Uhr | Kirche Sand - Wunschpunsch |
| Sa./So. 11.+12.07.2026, 15 Uhr | Schauenburg - Mittelalterfest |
| So. 19.07.2026, 15 Uhr | Theater der 2 Ufer - Zauberwäldchen |
| Sa. 25.07.2026, 19.30 Uhr | Sinzheim-Winden - Garten im Frohnhof |
| So. 26.07.2026, 14/15.30 Uhr | Ottenhöfen - Dorfbrunnenfest |
| Sa. 01.08.2026 | Berghaupten - Black Forest on Fire |
| So. 02.08.2026, 15 Uhr | Theater der 2 Ufer - Zauberwäldchen |
Worum geht es in der Geschichte „Von Goldtalern, Notgroschen und Glückspfennigen"?
Hans findet im Wald einen Berg aus Gold und nimmt ihn ganz für sich. Die Geschichte stellt am Ende die Frage, wer eigentlich wen besitzt, wenn man so sklavisch an einem Besitz hängt - eine Einladung zum Nachdenken über Besitz und Freiheit.
Wer ist Katrin Bamberg?
Katrin Bamberg ist eine Erzählerin, die mit Geschichten und Märchen in der Region unterwegs ist. Sie tritt an verschiedenen Orten in der Ortenau und Umgebung auf - von Kirchen über Theater bis zu Festen und Mittelaltermärkten.
Wo kann man Katrin Bamberg live erleben?
Unter anderem am 12.06. Kirche Sand, 21.06. Theater der 2 Ufer, 05.07. Villa Jamm Lahr, 11./12.07. Schauenburg Mittelalterfest, 26.07. Dorfbrunnenfest Ottenhöfen und 01.08. Berghaupten. Alle Termine in der Übersicht oben.