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Raus in den Oktober: Warum Draussen-Sein das beste Medikament ist

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Nadja Meffert Hebamme

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Raus in den Oktober: Warum Draussen-Sein das beste Medikament ist

 

Bildnachweis: KI-generiert

Es regnet. Es ist kalt. Das Baby quengelt und Mama auch. Eine Geschichte ĂĽber Matschhosen, Waldluft und warum Nadja sagt: Raus. Einfach raus.

Es war ein Dienstagmorgen Anfang Oktober. Der Regen lief die Scheibe herunter, die Wohnung fĂĽhlte sich kleiner an als sonst, und Emma hatte seit einer Stunde ohne erkennbaren Grund geweint. Clara hatte alles versucht: Stillen, Tragen, Singen, das bunte Spielzeug, das sonst immer funktionierte.

Sie rief Nadja an. „Ich drehe gleich durch.“

„Wann warst Du das letzte Mal draussen?“, fragte Nadja.

Clara überlegte. „Vorgestern, glaube ich.“

„Zieh Emma an“, sagte Nadja. „Und geh raus.“

„Es regnet.“

„Ich weiss.“

Regen ist keine Krankheit

Clara stand zwanzig Minuten später mit Emma im Kinderwagen auf dem Gehweg. Der Regen tippelte leise aufs Verdeck. Emma hörte auf zu weinen. Clara atmete zum ersten Mal seit Stunden richtig aus.

„Ich verstehe das immer noch nicht“, erzählte sie Nadja danach. „Was hat sich verändert?“

„Alles“, sagte Nadja ruhig. „Die Luft. Das Licht, auch wenn es grau ist. Die Geräusche. Die Bewegung. Ein Baby, das tagelang in vier Wänden sitzt, bekommt zu wenig Reize für sein Nervensystem - und zu viel von Deiner Erschöpfung, die sich im Raum sammelt.“

Sie lachte leise. „Frischluft ist kein Volksaberglaube. Es ist Physiologie.“

Was draussen wirklich passiert

Nadja erklärte, was Spazierengehen im Herbst für Mutter und Baby bedeutet - jenseits der Romantik:

Vitamin D: Auch an bewölkten Tagen produziert die Haut bei Tageslicht Vitamin D - das Immunhormon, das Babys für Knochenentwicklung und ein stabiles Immunsystem brauchen. In der dunklen Jahreszeit ist jede Minute im Freien wertvoll.

Cortisol regulieren: Bewegung und frische Luft senken den Cortisolspiegel - bei der Mutter und beim Baby. Wer täglich rausgeht, schläft nachts tiefer. Beide.

Reize für das Nervensystem: Herbstblätter, Regen auf dem Verdeck, Vogelstimmen, der Geruch von nassem Boden - das sind echte, natürliche Eindrücke, die ein Babygehirn benötigt und liebt. Kein Spielzeug der Welt kann das ersetzen.

Perspektivwechsel für die Mutter: Vier Wände machen Probleme grösser. Draussen schrumpfen sie auf ihr richtiges Mass.

Wie warm muss es sein?

„Ab wann ist es zu kalt?“, fragte Clara beim nächsten Treffen.

„Es gibt kein zu kalt“, sagte Nadja. „Es gibt nur falsch angezogen.“

Die Faustregel: Baby eine Schicht wärmer anziehen als die Erwachsenen. Das Zwiebelprinzip - mehrere dünne Schichten statt eine dicke. Wollunterwäsche aus Merinowolle liegt direkt auf der Haut, reguliert Temperatur und bleibt warm, auch wenn sie feucht wird.

„Eine Matschhose und eine gute Regenjacke - und ein Kind kann im Oktober stundenlang draussen sein“, sagte Nadja. „Das macht keine Erkältung. Im Gegenteil: Kinder, die regelmässig draussen sind, werden seltener krank.“

Der Wald als Apotheke

Nadja hatte eine besondere Empfehlung fĂĽr Oktober: den Wald.

„Phytonzide“, sagte sie. „Das sind Substanzen, die Bäume - besonders Nadelbäume - abgeben. Sie wirken antibakteriell und stärken nachweislich das Immunsystem. In Japan gibt es dafür sogar einen Begriff: Shinrin-yoku - Waldbaden. Kein Esoterik-Konzept, sondern anerkannte Gesundheitspraxis.“

Ein Spaziergang durch den Schwarzwald, durch den Schutterwald oder jeden anderen Wald in der Ortenau sei deshalb mehr als schöne Kulisse. Er sei aktive Gesundheitsvorsorge.

„Und er kostet nichts“, sagte sie trocken.

Claras Oktober

Clara ging fortan jeden Tag raus. Nicht immer weit, nicht immer lang. Manchmal nur eine halbe Stunde um den Block, manchmal eine Stunde durch die Felder. Sie kaufte Emma einen roten Regenanzug und sich selbst gute Gummistiefel.

Emma liebte den Regen auf dem Verdeck. Sie streckte die Hand aus und liess die Tropfen darauf fallen. Sie schaute Blätter an, die vom Baum wehten. Sie schlief nach jedem Spaziergang tief und fest.

Clara merkte: Der Oktober war nicht der Feind. Er war nur anders als der Sommer. Und anders war nicht schlechter.

„Weisst Du, was ich gelernt habe?“, sagte sie zu Nadja. „Es gibt kein schlechtes Wetter. Nur schlechte Ausreden.“

Nadja nickte zufrieden. „Jetzt klingst Du wie eine meiner Lieblingspatientinnen.“

Du hast Fragen - oder möchtest einfach nur reden? Nadja ist für Dich da - per Telefon unter 0170 552 77 08, per WhatsApp oder per Mail an nadja.meffert@web.de. Ganz unkompliziert, ganz persönlich - so wie eine gute Hebamme eben ist.

Text: apg.