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Es war einmal... Demeter und Persephone

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Katrin Bamberg - Spinnradmärchen

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Es war einmal... Demeter und Persephone

 

Ein Märchen, erzählt von Katrin Bamberg.

Demeter, die mächtige Erdmutter, war eine leidenschaftliche Göttin. Sie fand Erfüllung im Muttersein und das entsprach ihrem ganzen Wesen. Sie brachte den Funken des Lebens in die Welt und gebar ein Mädchen, so schön und lieblich, dass sie es behütete und beschützte wie ihren Augapfel. Sie nannte ihre Tochter Persephone.

Eines Tages spielte das Mädchen im Sonnenschein auf einer Blumenwiese, pflückte sich Blumen zu einem grossen Strauss. Dabei entfernte sie sich weiter und weiter von ihrer Mutter. Plötzlich grollte die Erde, ein Zittern und Beben erfüllte das friedliche Tal. Der Boden brach auf und Hades, der Gott der Unterwelt, schoss empor, packte das zarte Mädchen und riss sie mit sich fort, hinab in die Tiefe und in die Dunkelheit seines Reiches. In ihrer Angst hatte das Mädchen um Hilfe geschrien. Doch hatte das irgendwer gehört?

Rasend schnell gelangte sie in die lichtarmen Höhlen des Totenreiches. Tiefer und tiefer ging es hinab, vorbei an Flüssen aus heisser Lava, unterirdischen Felsen und kochenden Seen. Im Gestein glitzerten Edelsteine und Kristalle. Die Unterwelt war voll des Reichtums. „Du bist nun meine Göttin und all das gehört dir.“ Das Mädchen verstummte, hielt sich die Hände traurig vor das Gesicht und versank in tiefen Kummer. Sie ass nicht, sie trank nicht, sie sass wie ein Stein auf dem prächtigen Thron.

Demeter suchte verzweifelt nach ihrer Tochter, war erschüttert und im tiefen Schmerz. Monat um Monat lief sie den ganzen Erdball ab, fragte überall nach ihr. In ihrer Trauer setzte sie sich erschöpft nieder und auf der Erde erlosch alle Lebenskraft.

Die Erde verwandelte ihre grüne, reife Erscheinungsform zunächst in goldgelbes Farbenspiel, bis die eisige Kälte kam und eine weisse Decke ausbreitete. Alles Wachstum hatte ein Ende, Kälte und Schmerz waren allgegenwärtig. Hunger und Elend kamen über die Menschen. Der Tod streckte sich über das ganze Land.

Die Hilfeschreie des Mädchens aber hallten tief unter der Erde, sie sprangen wie ein dumpfes Echo von Stein zu Stein, gurgelten in allen Quellen. Als Demeter an einem Brunnen sass und trauerte, vernahm sie den Hilferuf ihrer Tochter, beugte sich über den Brunnen und weinte bittere Tränen hinein.

„Oh, nein! So nah ist sie? Ich darf Persephone nicht verlieren. Sie gehört mir!“ Grübelnd lief der Herr der Unterwelt hin und her, da erdachte er sich eine List. Er brach einen Granatapfel auf und bot Persephone die saftigen Kerne an. „Ich verspreche, dich freizulassen. Stärke dich für die Reise.“ Persephone war ausgehungert und voller Freude, dass sie endlich auf die Erde zurückkehren durfte. So ass sie ein wenig von der Frucht. Hades stieg mit ihr an die Oberfläche und entliess die schöne Persephone aus der Unterwelt.

Als das Mädchen ihre Mutter sah, lief sie zu ihr. Die beiden umarmten sich und drehten sich im Kreise. Glücklich liefen sie über die Erde und mit jedem Schritt, den Persephone ging, erblühte die Erde wieder. Es spross das Gras, es begannen die Blumen zu blühen. Alles erwachte zu neuem Leben. Die Bäume bekamen frische, zarte Blätter und trugen Blüten.

Plötzlich beschlich Demeter ein grauenvoller Verdacht. „Mein Kind! Sag, hast du bei Hades im Totenreich etwas gegessen?“ Ganz arglos antwortete das Mädchen: „Ja, Mutter. Ein wenig von dem Apfel, den er mir reichte.“ Da klagte Demeter und weinte, denn sie wusste, dass die Lebenden von den Toten nichts zu essen annehmen dürfen. Tun sie es dennoch, werden sie nicht frei sein. „Mein liebes Kind. Ein Teil von dir gehört nun ihm. Du wirst immer wieder zurück müssen in die Unterwelt. Für die Hälfte des Jahres.“

Wenn das Mädchen Jahr für Jahr hinabstieg, wurde Winter auf der Erde, der Boden gefror, keine Pflanze wuchs mehr. Im Frühling aber stieg sie hinauf und kam zurück zu ihrer Mutter. Da erblühte die Erde von Neuem. So entstanden die Jahreszeiten.

(Erzählfassung: Katrin Bamberg)

Nur zwei Jahreszeiten in der griechischen Mythologie: warm und kalt

Wendepunkte sind immer die Tag-und-Nacht-Gleichen am 23.9. und am 21.3.

Herzliche GrĂĽsse
Katrin Bamberg

Öffentliche Erzähltermine

Samstag, 10.10.2026, 15 Uhr Urloffen, Meerrettichfest
Sonntag, 11.10.2026, 13.30 Uhr Offenburg, Erzählnachmittag in der Möbel-Schau
Samstag, 31.10.2026, 20 Uhr Theater der 2 Ufer, Gruselgeschichten
Sonntag, 08.11.2026, 15 Uhr Kappelrodeck, Erzählnachmittag im Bürgerzentrum
Freitag, 13.11.2026, 19 Uhr Sander Kirche, Wunschpunsch
Samstag, 14.11.2026, 16 Uhr Elektrohartmann, Sand, Adventsmarkt
Sonntag, 15.11.2026, 15 Uhr Theater der 2 Ufer, Winterzauber
Samstag, 21.11.2026, 14 und 15 Uhr Waldorfschule Offenburg, Adventsmarkt
Sonntag, 29.11.2026, 13 Uhr Legelshurst, Adventsmarkt

Kurz zusammengefasste FAQ

Worum geht es im Märchen „Demeter und Persephone“?

Hades, der Gott der Unterwelt, raubt Persephone, die Tochter der Erdmutter Demeter. Aus Trauer um ihr Kind lässt Demeter alles Leben auf der Erde erlöschen.


Warum muss Persephone immer wieder in die Unterwelt?

Sie hat von dem Granatapfel gegessen, den Hades ihr reichte. Wer von den Toten etwas zu essen annimmt, ist nicht mehr ganz frei, deshalb muss sie jedes Jahr für die Hälfte des Jahres zurück.


Was erklärt die Geschichte?

Die Entstehung der Jahreszeiten: Ist Persephone in der Unterwelt, wird es Winter, kehrt sie im FrĂĽhling zurĂĽck, erblĂĽht die Erde von Neuem.


Wer erzählt das Märchen?

Katrin Bamberg, Erzählerin aus der Ortenau, die mit Märchen und Geschichten bei Märkten, Festen, Schauen und im Theater auftritt.


Wo kann man Katrin Bamberg im Herbst 2026 live erleben?

Unter anderem am 10.10. beim Meerrettichfest Urloffen, am 11.10. bei der Möbel-Schau Offenburg, am 31.10. mit Gruselgeschichten und am 15.11. mit „Winterzauber“ im Theater der 2 Ufer sowie im November auf mehreren Adventsmärkten. Alle Termine in der Übersicht oben.


Text: Katrin Bamberg / apg.