Wenn um drei Uhr nachts die Verse kommen
Zwei neue Gedichte über schlaflose Weisheit und Gewitter, die Gott geschickt hat
Es gibt Nächte, in denen der Schlaf sich weigert und dafür die Gedanken kommen. Klaus Huber kennt das. Er wehrt sich nicht dagegen – er greift zum Stift. Was dabei entsteht, hat die Tiefe von Stunden, in denen die Welt still ist und nur der eigene Geist noch wach:
Nächtliche Erfahrung
31. Juli 2026, 3 Uhr
Fesseln uns manche Gedanken,
wehrt der Schlaf gewohnten Schranken.
Wunderbar ist es gewesen,
auch aus alter Zeit zu lesen,
was Menschen vor vielen Jahren
in dem Alltag einst erfahren.
Manche Weisheit lebt so weiter,
macht rückblickend uns gescheiter,
wenn sie uns bewegt, bebildert
das Erlebte ehrlich schildert.
Lobenswert ist das Bemühen,
Lehren auch hieraus zu ziehen,
besonnen in so vielen Sachen
gleiche Fehler nicht zu machen.
Dies macht offen und bereit
für Bewältigung der Zeit.
Wenige Stunden später, am selben Tag, taucht eine andere Erinnerung auf. Tief aus der Kindheit. Die Mutter, die dem kleinen Klaus bei Gewitter sagte: „Gott schimpft mit uns!" Ein Satz, der sich einbrannte – und aus dem der 80-Jährige heute ein Gedicht formt, das weit über die Kinderstube hinausreicht:
Kindheitserinnerung
Als Kind erfuhr ich ängstlich, bitter:
„Gott schimpft mit uns durch das Gewitter!",
was mir die Mutter nahebrachte,
und was ich nun als Grund erdachte:
dass IHN so stört, am Herzen läge
durch des Gewitters harte Schläge,
wenn sträflich wir oft ganz missachten,
was Wetter uns als Unheil brachten.
Bekunden und belegen viele,
was hier auch eine Rolle spiele,
sind Luft, Wetters Gegebenheiten.
Sie gab es schon zu allen Zeiten.
Ich denke weiterhin daran,
dass manches man verhindern kann,
wenn man Natur und Welt hochschätzt
und nicht durch Eigensinn verletzt.
ER straft uns auch durch Katastrophen
– selbst jene, die noch auf IHN hoffen,
ein Leiden, vielfach unverdient,
was sie nicht gegen Schaden schient.
Zwischen den Zeilen schwingt mehr als Nostalgie. Der Junge, der sich vor dem Donner fürchtete, ist heute ein Mann, der Verantwortung einfordert – vom Menschen gegenüber der Natur, von der Welt gegenüber sich selbst. Die Mutter hatte recht, auf ihre Art. Und der Sohn gibt ihr achtzig Jahre später eine Antwort in Versen.