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Drinnen Mystik, draußen Betrieb

Die dritte „Blaue Stunde

AutorenNetzwerk Ortenau-Elsass®

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Drinnen Mystik, draußen Betrieb

 

Drinnen Mystik, draußen Betrieb

Die dritte „Blaue Stunde" im Klauskirchl: Evelyn Kalina und Gerd Birsner entführten dreißig Gäste in eine andere Welt

Achern. apg. Auf der Acherner Hauptstraße hatten die Autos schon die Lichter an. Der Himmel brannte in den letzten Farben des Oktobertags, am Barbershop gegenüber der kleinen Kirche versammelten sich junge Männer zum Feierabend. Wer in diesem Moment nicht wusste, was sich hinter der schlichten Tür des Klauskirchls abspielte, hätte es nicht geahnt: Drinnen begann gerade wieder eine der ruhigsten, beschaulichsten Stunden des Jahres.

Dreißig Gäste hatten sich eingefunden – eine stille Gemeinde, die wartete, bis Walter Klein, der “Glöckner von Achern”, wie schon bei den vorangegangenen Abenden das kleine Geläut der Nothelferkapelle erklingen ließ und damit den Abend sanft aus dem Alltag herauslöste.

Dr. Karin Jäckel eröffnete die dritte „Blaue Stunde“ des AutorenNetzwerks Ortenau-Elsass® mit herzlichen Worten für zwei Gäste, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und gerade deshalb so gut zusammenpassten. Da war zunächst Evelyn Kalina: Malerin in erster Linie, Autorin erst seit Kurzem, mit Worten, die man nicht so schnell vergisst. Mehrfach hatte sie sich bereits an den Wettbewerben des Netzwerks beteiligt und dabei gezeigt, was in ihr steckt. Karin Jäckel hatte sie eingeladen, um ihr – wie sie sagte – „eine Chance an Positionen zu geben, an denen sie sonst vielleicht nicht so zu Hause ist.“

Evelyn Kalina las aus ihrem Leben. Tiefgründig, ruhig, ohne Effekthascherei. Sie erzählte von Herkunft und Heimat, von Vertreibung und Migration – Themen, die sie wie einen roten Faden durch ihre Biografie zieht. Und sie erzählte, wie am Ende dieser langen Reise Sasbachwalden stand: ihr heutiges Zuhause, ihr Anker. Was ein heruntergefallener Kopf lehren kann – so beschreibt die ANOE-Website das Thema des Abends –, blieb im Raum, lang nachdem die letzte Seite gelesen war.

Kalina teilte sich den Abend mit  Gerd Birsner – Musiker, Liedermacher, Poet und, wie Karin Jäckel nicht ohne Stolz erwähnte, frisch ausgezeichnet mit dem PAMINA-Preis für sein Gesamtwerk. Ein Preis, der denen gilt, die mit Mundart „viel am Hut haben“. Birsner hat sehr viel am Hut. Mit Gitarre und badischer Mundart lockerte er die Stimmung, ohne die Stille zu brechen – ein feines Kunststück. Seinen Abschluss bildete seine Version von „Die Gedanken sind frei“, bei der das Mitsingen ausdrücklich erwünscht war. Und das Publikum sang.

Draußen auf der Hauptstraße: Betrieb, Lärm, Feierabend. Drinnen im Klauskirchl: Mystik, Innehalten, eine Stunde ganz für sich. Wer das Format der „Blauen Stunde" bislang nicht kennt: Es ist kein normales Konzert, keine klassische Lesung. Es ist ein Ort für Menschen, die für einen Moment aus dem Alltag heraustreten möchten – in Gesellschaft von Literatur, Malerei, Musik und Poesie. Mehr braucht es nicht.

Die nächste Blaue Stunde im Klauskirchl findet am Mittwoch, 4. November 2026, von 18 bis 19 Uhr statt. Eintritt: 7 Euro. Reservierung empfohlen: autorennetzwerk.ortenau-elsass@t-online.de

Fotos: Andreas Peter Geng