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Leben in “Rheinkultur”, Kappel-Grafenhausens Wilde Weiden im Ortenaukreis

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Leben in “Rheinkultur”, Kappel-Grafenhausens Wilde Weiden im Ortenaukreis

 

RegioGespräch mit Jochen Paleit, Bürgermeister der Gemeinde Kappel-Grafenhausen

Es ist Fasnachtsfreitag, das Rathaus wurde gestern gestürmt und das “Dorf” stand kopf. Wir sind bereits um 11 Uhr telefonisch verabredet: Paleit zieht sich wohl kurz in seine Amtsstube zurück und ruft uns frisch und motiviert 5 nach 11 zurück. Wir fragen, ob er kein “Narr” sei (weil er zu diesem Zeitpunkt ein Interview mit uns macht) – seine Antwort: “Sie irren sich, aber ich habe gestern nur vier Schorle getrunken!”

Sympathisch, freundlich und ausgesprochen begeistert und redselig ist Jochen Paleit rasch in seinem Element: Bürgermeister im ehrenhaftesten Sinne. Ein Mann, der sein Amt ernst nimmt und sich wahrlich für seine Gemeinde engagiert. “Gestalten im Großen und im Kleinen, aber stets mit Augenmaß” war lange sein Leitmotiv. Heute sprechen wir über eine “Reise zurück in die Zukunft”.

Jochen Paleit ist heute 52 Jahre alt und in seinem Amt gereift. Als der “Newcomer” 2008 mit knapper Mehrheit ins Bürgermeisteramt gewählt wurde, waren seine beiden Töchter Lea und Emma gerade mal 11 und 8 Jahre alt. Zwischenzeitlich, 15 Jahre später, ist viel geschehen und hinter Paleit steht eine große Mehrheit der Bürgerschaft in Kappel-Grafenhausen. Vieles hat der Bürgermeister auf den Weg gebracht und auch in den Krisen der Zeit manövriert der Bürgermeister das Gemeindeschiff weitsichtig, bedacht und besonnen, nachhaltig Richtung Zukunft.

Der eher konservativ denkende Paleit hat sein Augenmerk stets auf Natürlichkeit, Zukunftstauglichkeit und dem Gemeinwohl. Es ist nicht immer leicht, möglichst vielen oder gar allen gerecht zu werden, sein Bemühen darum ist jedoch deutlich.

“Kappel-Grafenhausen ist eine typische, jedoch besondere Gemeinde Badens: Unsere Gemarkung reicht von den Höhen des Schwarzwaldes bis zum Rhein; bei uns treffen sich Baden und Elsass, Kappel-Grafenhausen und Rhinau. Während die Schwarzwaldhöhen von einem eher rauen Klima geprägt sind, mutet das Rheintal fast schon mediterran an. Flüsse verbinden! Der Rhein verbindet den Süden mit dem Norden. Weit ausgreifend zieht das Rheintal hier bei uns Ost und West zu sich heran. So ist Kappel-Grafenhausen für Bürger und Gäste lebens- und liebenswert und für Unternehmen attraktiv. Herzlich willkommen in Mitteleuropa, seien Sie gegrüßt in Kappel-Grafenhausen, genießen Sie Leben in Rheinkultur!”

Mit diesen Worten begrüßt die Gemeinde Touristen, Gäste und Neubürger. Mit Jochen Paleit hat sich die Stellung von Kappel-Grafenhausen verändert. War man zuvor eher nur “Vorort des Europapark” und Rust, so ist die Gemeinde heute mit deutlichen Alleinstellungsmerkmalen sichtbar. Eines dieser erfolgreichen, von Paleit initiierten Projekte sind die “Wilde Weiden®”. Wir fragen nach dem aktuellen Stand.

2015 startete das Projekt „Wilde Weiden Taubergießen“. Mit rund 17 Hektar Offenland, drei Hektar Auenwald und 24 Salers-Rindern (elf Mutterkühen mit ihren Kälbern und einem Bullen) auf gemeindeeigenen Wiesen im Naturschutzgebiet Taubergießen / Kappel-Grafenhausen. Höhe Schollenhütte entlang der Straße von Kappel in Richtung Wittenweier. Seitdem wurden insgesamt 100 Hektar Auenwald, ehemalige Maisäcker und Wiesen in die Beweidung einbezogen. Die Salers haben sich vermehrt, Wildpferde sind dazu gekommen. Mit der Ganzjahresbeweidung ist ein Prozess angestoßen worden, deren Auswirkungen bereits messbar geworden ist. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet.

Durch Verbiss und Tritt der tierischen Landschaftspfleger, entstehen abwechslungsreiche Mosaike aus Weiderasen, Hochstauden, offenen Böden, vegetationsarme Ufer, Auengehölze und Auenhutewald. Selten gewordene Vögel wie Wendehals, Goldammer, Braunkehlchen und Wiedehopf, Insekten, Libellen, Schmetterlinge und Störche sind zurückgekommen. Der Bestand des Vogels Neuntöter hat sich verdreifacht. Wildpflanzen, die es lange nicht mehr gab, wachsen. Das Bild der Natur hat sich positiv verändert, sagt Paleit. Der Wald sei lichter, die Landschaft vielfältiger. Der Taubergießen ist heute ein Ort mit hohem Erholungswert. Davon profitierten alle.

Von Anfang an wird das Projekt vom Landschaftserhaltungsverband Ortenaukreis e.V. mit getragen. Der Verein ist Träger der Marke “Wilde Weiden®”. Wer als Ortenauer Bürger Interesse an dem Projekt hat und vielleicht aktiv mitwirken möchte, wendet sich am einfachsten an den Wilde-Wald-Weiden Taubergießen e.V..

Für Besucher und sonst interessierte des Naturschutzgebiet Taubergießen ist Cosima Zeller die Rangerin. Die dynamische Umweltwissenschaftlerin hat bereits in den vergangenen Jahren in der Ökologischen Station Taubergießen mitgearbeitet, hat viel Erfahrung und kennt das Gebiet besonders gut. Schwerpunkte ihrer Arbeit als Rangerin sind die Information von Besucherinnen und Besuchern, Gebietskontrollen sowie der Schutz besonderer Lebensräume und Arten.

Weitere Informationen finden Sie in Thomas Kaisers Kurzfilm zu den Wilden Waldweiden. (Auf der Gemeindeseite bitte etwas nach unten scrollen) oder im Flyer der Gemeinde.

Jochen Paleit, ist zufrieden. Während andere vom Klimawandel sprechen, hat Kappel-Grafenhausen im Taubergießen seine Hausaufgaben erledigt, ist bereits jetzt “klimastabil” und geht weiter den eher praktischen Weg des “Machen”. Als Nächstes fordert die Natur ein weiteres “zurückbilden” im Bereich des Rheins zwischen Taubergießen & der Insel Rhinau. Eine Machbarkeitsstudie Rhinaissance entstand bereits, in diesem Jahr wird mit der Umsetzung begonnen. Paleit lobt dabei die vielen ehrenamtlich engagierten Mitwirkenden und zeigt sich sehr dankbar und wertschätzend.

Für 2023 steht der Bürgerdialog im Vordergrund. Ideen und neue Ziele werden gesammelt und vor allem auch Kinder und Jugendliche sollen mit ins Boot geholt werden. Gemeinsam mit Udo Wenzl aus Waldkirch, der auf Kommunalberatung spezialisiert ist, haben die ersten Maßnahmen dazu bereits begonnen.

Ende dieses Jahres steht in Kappel-Grafenhausen die Bürgermeisterwahl an. Beim Neujahrsempfang stand das allerdings nicht auf der Agenda. Nur so viel wollte Jochen Paleit verraten: „Die Arbeit macht mir viel Spaß. Ich werde mich im Laufe des Jahres zu einer möglichen Kandidatur äußern.“ Im Dezember oder Januar rechne der amtierende Bürgermeister mit den Wahlen.

Zu guter Letzt weist uns Bürgermeister Jochen Paleit noch auf eine Veranstaltung mit seiner Mitwirkung hin: „Natur.Macht.Klima"; ist die neue Dialogplattform der Deutschen Umwelthilfe rund um das Thema Natürlicher Klimaschutz. Auftakttermin ist bereits am Montag, den 27. Februar 2023: „Kommt die Zeitenwende für den Naturschutz?“ Die Diskussion findet online von 16 bis 18 Uhr statt.
Zur Anmeldung.

Weitere Informationen zur Gemeinde Kappel-Grafenhausen: https://www.kappel-grafenhausen.de.