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In diesem Jahr geht Klaus Huber auf seinen 80. Geburtstag zu. Seine neuesten Gedichte sind geprägt von einer Tiefe, die nur ein reiches Leben hervorbringen kann. Drei Verse für den Januar, die gerade jüngeren Menschen Orientierung schenken können.
Es gibt Stimmen, die mit den Jahren leiser werden. Und es gibt solche, die mit der Zeit an Tiefe gewinnen. Klaus Huber, der Acherner Lyriker und pensionierte Grundschullehrer, gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. In diesem Jahr wird er 80 Jahre alt – und seine Verse klingen reifer, weiser und zugleich zugänglicher denn je.
Was Klaus Huber in seinen Gedichten formuliert, ist keine abgehobene Philosophie. Es ist destillierte Lebenserfahrung, in schlichte Reime gegossen, die gerade deshalb so tief berühren. Der „Klaus vom Dachsbuckel", wie er sich selbst nennt, schreibt nicht für Literaturkritiker. Er schreibt für Menschen, die innehalten wollen. Die nach Orientierung suchen. Die sich fragen, worauf es im Leben wirklich ankommt.
Drei seiner neuesten Gedichte möchten wir heute vorstellen – drei Wegweiser für den Januar und darüber hinaus.
Wenn der Weihnachtsglanz verblasst
Die Lichter sind abgehängt, die Tannenbäume entsorgt, der Alltag hat uns wieder. Klaus Huber fängt diesen Moment des Übergangs mit wenigen Zeilen ein:
Nachdenklichkeit
Ist vorbei die Weihnachtszeit,
trägt Alltag ein karges Kleid,
das uns nun nachdenklich stimmt,
da die Not kein Ende nimmt.
Wir ersehnen jene Kraft,
die trotz alledem das schafft,
was unsere trübe Welt
wieder hoffnungsvoll erhellt.
Klaus Huber
Es ist ein Gedicht der Ehrlichkeit. Kein Schönreden, kein billiger Trost. Ja, der Alltag nach Weihnachten trägt ein „karges Kleid". Ja, die Not in der Welt nimmt kein Ende. Und doch – im letzten Verspaar – schimmert jene Hoffnung durch, die Klaus Hubers Werk durchzieht wie ein roter Faden: die Sehnsucht nach einer Kraft, die größer ist als wir selbst.
Für junge Menschen, die angesichts von Krisenberichten und Zukunftsängsten verzweifeln könnten, ist dies eine wichtige Botschaft: Nachdenklichkeit ist erlaubt. Zweifel sind menschlich. Aber die Hoffnung aufzugeben – das ist keine Option.
Bei sich selbst bleiben
Das zweite Gedicht greift ein Thema auf, das gerade in Zeiten von Social Media und permanentem Vergleichsdruck aktueller kaum sein könnte:
Zeit der Entscheidung
Jeder muss zu seinen Zeiten
immer wieder selbst entscheiden,
was er mitmacht, was er duldet.
Dies ist stets sich selbst geschuldet,
um bei dem gewohnten Treiben
stetig ganz er selbst zu bleiben.
Hierbei gilt, sich auszurichten
und auf manches zu verzichten,
was sein Leben ihm erschwert,
Selbstzufriedenheit vermehrt.
Klaus Huber
Hier spricht die Erfahrung von fast acht Jahrzehnten. Klaus Huber weiß, wovon er schreibt: Wer immer nur mitmacht, was andere vorgeben, verliert sich selbst. Wer alles duldet, wird zum Spielball fremder Interessen. Die Entscheidung, was wir mitmachen und was nicht, ist keine Nebensache – sie ist der Kern unserer Identität.
Besonders die Zeilen „Hierbei gilt, sich auszurichten / und auf manches zu verzichten" bergen eine Weisheit, die gegen den Zeitgeist bürstet. In einer Kultur des „Alles ist möglich" und „Du kannst alles haben" erinnert uns der Dichter daran: Wahre Selbstzufriedenheit entsteht nicht durch Addition, sondern oft durch bewusste Subtraktion. Durch das Nein zu dem, was uns nicht guttut.
Wenn Erinnerungen leuchten
Das dritte Gedicht ist vielleicht das persönlichste. Es handelt von jenen Bildern, die wir im Herzen tragen – Erinnerungen an Menschen, Momente, Zeiten, die vergangen, aber nicht vergessen sind:
Rückzug
Bislang harren wir vor Bildern,
die Vergangenes neu schildern,
was wir niemals mehr vergessen,
weil wir es so hoch bemessen.
Solche Bilder, ihr Gedenken
möchten uns zum Danken lenken.
Scheinen sie inzwischen fern
– sie erstrahlen wie ein Stern.
Klaus Huber
„Rückzug" – das Wort klingt zunächst nach Resignation. Doch Klaus Huber meint etwas anderes: den bewussten Rückzug in die Schatzkammer der Erinnerung. Dorthin, wo die wertvollen Bilder unseres Lebens aufbewahrt sind. Das Gedenken an geliebte Menschen, an prägende Begegnungen, an Augenblicke des Glücks.
Die letzte Zeile ist von besonderer Schönheit: „Sie erstrahlen wie ein Stern." Sterne sind fern, ja. Aber sie leuchten. Sie geben Orientierung in der Dunkelheit. So wie unsere kostbarsten Erinnerungen – sie mögen zeitlich fern sein, aber ihr Licht erreicht uns noch immer.
Was macht Klaus Hubers Gedichte so besonders? Es ist die Verbindung von Einfachheit und Tiefe. Seine Reime sind eingängig, fast kindlich in ihrer Klarheit. Und doch transportieren sie Einsichten, für die andere ganze Bücher brauchen.
In einer Zeit, in der junge Menschen nach Orientierung suchen, während ältere sich fragen, was sie weitergeben können, baut Klaus Huber Brücken. Seine Verse sind keine Belehrungen von oben herab. Sie sind Einladungen zum Mitdenken, zum Innehalten, zum Gespräch zwischen den Generationen.
Wer mit fast 80 Jahren noch so klar und hoffnungsvoll schreibt, der hat verstanden, worauf es ankommt. Und er teilt dieses Verstehen großzügig mit uns allen.
Danke, Klaus Huber. Für diese Gedichte. Und für viele weitere, die hoffentlich noch folgen werden.
Über den Autor:
Klaus Huber, geboren in Achern, ist pensionierter Grundschullehrer, Lyriker und freier Autor. Als „Klaus vom Dachsbuckel" verbindet er in seinen Gedichten der Begegnung und Ermutigung Heimatverbundenheit mit christlichen Werten und feinsinnigem Humor. In diesem Jahr feiert er seinen 80. Geburtstag. Bücher und Vorlesungen können direkt bei ihm persönlich bestellt werden.
Weitere Werke: www.klausvomdachsbuckel.de