"Bremsweg berechnen – das kann doch jeder", denkt sich Fahrschüler Tim (17) bei der Theorieprüfung. Fünf Minuten später starrt er fassungslos auf das Ergebnis: Bei 50 km/h und nasser Fahrbahn braucht sein Auto über 50 Meter zum Stehen. "Das ist ja ein halbes Fußballfeld!", ruft er. Genau diese Erkenntnis rettet Leben – und wir zeigen euch, wie ihr sie in der Prüfung und auf der Straße anwendet.
Prüfungsfrage: Wie lang ist der Bremsweg bei 50 km/h auf trockener Fahrbahn?
A) 15 Meter
B) 25 Meter
C) 50 Meter
"Die meisten tippen auf A", berichtet Burak Özdagci. "Aber B ist richtig! Und das ist nur der reine Bremsweg – ohne Reaktionsweg!"
Der Reaktionsweg in Metern berechnet sich so: Geschwindigkeit geteilt durch 10, dann mal 3. Bei 50 km/h ergibt das 15 Meter.
Der Bremsweg bei normaler Bremsung in Metern: Geschwindigkeit geteilt durch 10, das Ergebnis mit sich selbst multipliziert. Bei 50 km/h also 5 mal 5 gleich 25 Meter.
Der Anhalteweg ist die Summe aus Reaktionsweg und Bremsweg. Bei 50 km/h sind das 15 plus 25 gleich 40 Meter.
Alexander Keitel macht es anschaulich: "40 Meter – das sind etwa 10 Autolängen. Stellt euch vor, ein Kind rennt auf die Straße. Bis ihr steht, seid ihr 40 Meter weiter!"
Theoriefrage: Wie verändert sich der Bremsweg bei nasser Fahrbahn?
A) Er bleibt gleich, ABS regelt das
B) Er verdoppelt sich
C) Er verdreifacht sich
"B ist richtig", erklärt Manuel Lo Conte. "Und das ist vielen nicht klar: ABS verhindert nur das Blockieren – es verkürzt nicht den Bremsweg!"
Rechnung bei Nässe und 50 km/h: Der Reaktionsweg bleibt bei 15 Metern. Der Bremsweg verdoppelt sich auf 50 Meter. Der Anhalteweg beträgt damit 65 Meter.
Prüfungswissen: Bei einer Gefahrenbremsung, also einer Vollbremsung, halbiert sich der Bremsweg.
Auf trockener Fahrbahn bei 50 km/h bedeutet das: Der normale Bremsweg von 25 Metern reduziert sich bei einer Gefahrenbremsung auf 12,5 Meter.
Stefan Löffel warnt: "Aber Vorsicht! Eine Gefahrenbremsung bei Nässe kann gefährlich sein – das Auto kann ausbrechen. Deshalb üben wir das in der Praxis."
Bei 30 km/h beträgt der Reaktionsweg 9 Meter, der Bremsweg auf trockener Fahrbahn 9 Meter und bei Nässe 18 Meter. Der Anhalteweg bei Nässe liegt damit bei 27 Metern.
Bei 50 km/h beträgt der Reaktionsweg 15 Meter, der Bremsweg trocken 25 Meter und nass 50 Meter. Der Anhalteweg bei Nässe: 65 Meter.
Bei 70 km/h beträgt der Reaktionsweg 21 Meter, der Bremsweg trocken 49 Meter und nass 98 Meter. Der Anhalteweg bei Nässe: 119 Meter.
Bei 100 km/h beträgt der Reaktionsweg 30 Meter, der Bremsweg trocken 100 Meter und nass 200 Meter. Der Anhalteweg bei Nässe: 230 Meter.
Wolfgang Witteborn zeigt auf diese Zahlen: "Schaut euch die 100 km/h an. Bei Nässe braucht ihr 230 Meter – das ist länger als zwei Fußballfelder!"
Übrigens: Wir gratulieren Wolfgang Witteborn herzlich zum 65. Geburtstag am 27. Februar! Seit über 7 Jahren bringt er bei der Fahrschule Lo Conte sein Wissen ein – und Bremsweg-Rechnungen sind seine Spezialität.
Derek Berger macht es konkret: "In einer Spielstraße mit parkenden Autos – da kann jederzeit ein Kind rauslaufen. Innerorts erlaubt: 50 km/h. Aber mit 65 Metern Anhalteweg bei Nässe? Viel zu schnell!"
Die Faustregel lautet: Innerorts bei Nässe maximal 30 bis 40 km/h fahren. An Schulen und Spielplätzen immer bremsbereit sein. Im Zweifel lieber zu langsam als zu spät.
Isabell Groß verrät: "In der Theorieprüfung kommen oft Fangfragen. Zum Beispiel: Der Bremsweg verdoppelt sich bei doppelter Geschwindigkeit. Falsch! Er vervierfacht sich!"
Beispiel: Bei 50 km/h beträgt der Bremsweg 25 Meter. Bei 100 km/h sind es nicht 50 Meter, sondern 100 Meter.
Burak Özdagci ergänzt: "Merkt euch: Doppelte Geschwindigkeit gleich vierfacher Bremsweg. Das ist Physik – und Prüfungswissen!"
Der Bremsweg ist keine trockene Formel – er ist der Unterschied zwischen gerade noch gut gegangen und zu spät gebremst. Bei der Fahrschule Lo Conte lernt ihr nicht nur für die Prüfung, sondern fürs Leben.