Hugo-Häring-Preis 2026: Der bedeutendste Architekturpreis Baden-Württembergs geht in die nächste Runde - Kehl wird Gastgeber der Jurysitzung.
Lesezeit: ca. 5 Minuten
Von der Caracalla-Therme in Baden-Baden über die Rheinstaustufe in Iffezheim bis zum Burda-Hochhaus in Offenburg: Mittelbaden hat architektonisch einiges zu bieten. Jetzt werden wieder die besten Bauten der Region gesucht - und Sie können dabei sein.
Architektur ist nach der eigenen Haut und der Kleidung die dritte Haut eines Menschen. Ein Leben ohne das sprichwörtliche Dach über dem Kopf ist kaum vorstellbar. Gebäude schützen uns - und im besten Fall inspirieren sie unsere Arbeit und unser Leben. Eben darum lobt der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) erneut die Hugo-Häring-Auszeichnung aus: Die BDA-Kreisgruppe Baden-Baden/Rastatt/Ortenaukreis sucht die schönsten Gebäude in Mittelbaden.
Der Preis trägt den Namen eines Mannes, der die Architektur des 20. Jahrhunderts massgeblich beeinflusste: Hugo Häring, geboren 1882 in Biberach an der Riß und gestorben 1958 in Göppingen, gilt als der bedeutendste Vertreter des Neuen Bauens, der im heutigen Baden-Württemberg geboren wurde. Als Architekt und Architekturtheoretiker prägte er die Idee einer „organhaften Architektur" - Gebäude sollten nicht starren geometrischen Prinzipien folgen, sondern sich aus ihrer Funktion und ihrem Zusammenhang mit dem Leben der Menschen entwickeln. Sein Hauptwerk, das Gut Garkau in Ostholstein, steht noch heute als eindrucksvolles Zeugnis dieses Ansatzes.
Der Hugo-Häring-Preis wird seit 1969 vom BDA-Landesverband Baden-Württemberg an Architekten und Bauherren gleichermaßen verliehen und ist damit der älteste und bedeutendste Architekturpreis in Baden-Württemberg. Mit der Einführung einer zweistufigen Auszeichnung ab 1978 erhielt er seinen heutigen dreijährigen Rhythmus: Zunächst wird auf Ebene der 15 Kreisgruppen gewertet, ein Jahr später folgt der Landesentscheid. Die Preisträger auf Kreisebene nehmen dann am Wettbewerb um den Hugo-Häring-Landespreis teil - in Fachkreisen liebevoll als „kleiner und grosser Hugo" bezeichnet.
Die Jurysitzung findet am 24. und 25. Juli 2026 im Kehler Rathaus statt. Baubürgermeister Thomas Wuttke, selbst gelernter Architekt, wurde in das fünfköpfige Preisgericht berufen. „Das ist eine grosse Ehre für unsere Stadt - und zugleich ein schöner Anlass, Baukultur in der Region sichtbar zu machen", sagt Wuttke. „Kehl liegt im Herzen Europas, direkt an der Grenze zu Straßburg, und wir verstehen das als Einladung an Architekten und Bauherren aus der gesamten Kreisgruppe, ihre besten Arbeiten einzureichen."
Für Wuttke ist der Hugo-Häring-Preis auch ein Signal an seine eigene Stadt: „Gute Architektur ist kein Luxus, sie ist eine kommunale Aufgabe. Sie prägt das Bild unserer Stadt, sie schafft Identität und Heimat für die Menschen, die hier leben."
Voraussetzung für die Einreichung ist, dass die Fertigstellung nicht vor 2021 stattgefunden hat. Eingereicht werden können Gebäude, Gebäudegruppen, realisierte städtebauliche Anlagen und Ingenieurbauwerke in Baden-Württemberg. Dabei richtet sich der Hugo-Häring-Preis ausdrücklich nicht nur an die spektakulären Projekte in den Grosstädten - gerade in Mittelbaden entsteht herausragende Architektur auch abseits der grossen Ballungsräume.
Ein Blick in die fast sechs Jahrzehnte währende Preishistorie zeigt, welche architektonischen Perlen in der Region schlummern:
„Das Verfahren ist ein strenger Gradmesser für die Qualität der aktuellen regionalen Planungs- und Bautätigkeit", erklärt der BDA-Kreisvorsitzende Gunnar Lehmann aus Offenburg. „Eine Teilnahme erfordert sowohl von der Bauherrschaft als auch von den Planenden Mut, Kritikfähigkeit und das Bewusstsein für die kontinuierliche Reflexion des eigenen Handelns. Eine Auszeichnung versteht sich dabei als besondere Anerkennung für einen wertvollen Beitrag zur Baukultur als öffentlichem Gut."
Anmeldungen für den Wettbewerb sind ausschliesslich online ab dem 1. April 2026 möglich. Einreichungsschluss ist der 31. Mai 2026.
Haben Sie ein Lieblingsgebäude in der Region? Kennen Sie ein Bauwerk, das eine Auszeichnung verdient hätte? Schreiben Sie uns - wir freuen uns auf Ihre Empfehlungen! Die Ergebnisse der Jurysitzung Ende Juli begleiten wir selbstverständlich auf www.regio-ortenau.de.
Autor: Dr. Ulrich Coenen (Reportage und Fotos) / Redaktion: Andreas Peter Geng [apg, März 2026]
Was ist der Hugo-Häring-Preis?
Der Hugo-Häring-Preis ist der älteste und bedeutendste Architekturpreis in Baden-Württemberg. Er wird seit 1969 vom BDA-Landesverband an Architekten und Bauherren verliehen und würdigt herausragende Beiträge zur Baukultur in der Region.
Wer kann sich für den Hugo-Häring-Preis 2026 bewerben?
Architekten und Bauherren aus dem Gebiet der Kreisgruppe Baden-Baden/Rastatt/Ortenaukreis können Gebäude, Gebäudegruppen, städtebauliche Anlagen und Ingenieurbauwerke einreichen, die nach 2021 fertiggestellt wurden.
Bis wann kann man einreichen und wo?
Einreichungen sind ab 1. April 2026 ausschliesslich online möglich. Einreichungsschluss ist der 31. Mai 2026 unter www.hugo-häring-preis.de.
Wann und wo findet die Jurysitzung 2026 statt?
Die Jurysitzung findet am 24. und 25. Juli 2026 im Kehler Rathaus statt. Baubürgermeister Thomas Wuttke, selbst gelernter Architekt, ist Mitglied des fünfköpfigen Preisgerichts.
Welche Gebäude aus Mittelbaden wurden bisher ausgezeichnet?
Zu den bekannten Preisträgern zählen die Caracalla-Therme in Baden-Baden, die Rheinstaustufe Iffezheim, das Burda-Hochhaus in Offenburg sowie zuletzt 2023 der Rundofen in Zell am Harmersbach und die Reithalle in Achern.
Was ist der Unterschied zwischen „kleinem" und „grossem Hugo"?
Zunächst wird auf Ebene der 15 Kreisgruppen ausgezeichnet (der „kleine Hugo"). Die Kreispreisträger nehmen dann am Wettbewerb um den Hugo-Häring-Landespreis teil (der „grosse Hugo"), der ein Jahr später vergeben wird.