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Acht „Hugos" für Mittelbaden - die schönsten neuen Häuser der Region stehen fest

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Acht „Hugos" für Mittelbaden - die schönsten neuen Häuser der Region stehen fest

 

Bildnachweis: © Ulrich Coenen

500 Kilometer im Kleinbus, zehn Kilometer zu Fuss bei über 30 Grad, 18 Gebäude in zwei Tagen: Die Jury des bedeutendsten Architekturpreises in Baden-Württemberg hat Mittelbaden bereist, und acht Bauwerke gefunden, die sie überzeugt haben. Wir stellen Ihnen die Gewinner vor.

Lesezeit: ca. 7 Minuten

15.07.2026, Ortenaukreis, apg. Konzentrierte Blicke auf die Notebooks und eine leuchtende Leinwand: Im Gemeindesaal der evangelischen Kirchengemeinde in Kehl flimmern Grundrisse, Fassaden und Innenräume vorbei. Die Fachjury des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) hat eine anspruchsvolle Aufgabe: Sie soll die besten und innovativsten Gebäude in Mittelbaden finden. Die Flut an digitalen Einreichungen für den begehrten Hugo-Häring-Preis ist so gross, dass es schlicht unmöglich ist, alle Objekte in den zwei angesetzten Tagen real zu besichtigen. Also muss vorausgewählt werden, und dann geht es auf die Strasse.

Ergebnis: Acht Mal vergab das Preisgericht die begehrte Hugo-Häring-Auszeichnung. Drei weniger als beim letzten Mal vor drei Jahren, als in Mittelbaden elf Gebäude prämiert wurden. Die Jury erwies sich als streng. Aber was ausgezeichnet wurde, zeigt eindeutig neue Trends im Bauen auf.

Kehl als Gastgeber, und ein Juror mit Ortskenntnissen

Gastgeber der Jurysitzung war Kehls Baubürgermeister Thomas Wuttke, selbst gelernter Architekt, der vom BDA in das fünfköpfige Preisgericht berufen wurde. „Ich fand es sehr interessant, die verschiedenen Lösungen zu sehen, die Architekten für verschiedene Aufgaben gefunden haben“, sagte er nach der Auswahl. Neben Wuttke gehörten dem Preisgericht drei weitere Architekten und ein Fachjournalist an: Brigitte Häntsch aus Berlin, emeritierte Professorin für Baukonstruktion an der Universität Kassel, Berthold Jungblut aus Köln sowie Simon Joa, Vorsitzender der Kammergruppe Karlsruhe-Stadt der Architektenkammer Baden-Württemberg. Das Preisgericht wählte Joa zu seinem Vorsitzenden.

500 Kilometer in zwei Tagen

Die BDA-Kreisgruppe Baden-Baden/Rastatt/Ortenau gehört flächenmässig zu den grössten in Deutschland. Das stellte die Jury vor erhebliche logistische Herausforderungen. Nach einer dreistündigen Diskussion, in der alle Einreichungen ausführlich an der Leinwand debattiert wurden, stand das Pensum fest: 18 Gebäude mussten besichtigt werden.

Damit das in zwei Tagen überhaupt zu schaffen war, übernahmen Veronika Grimm, stellvertretende Vorsitzende der BDA-Kreisgruppe, und Tobias Hylla, ein weiteres Vorstandsmitglied, die Reiseleitung. Ihre wichtigste Aufgabe: eine optimale Route für die beiden Exkursionstage, um keine wertvolle Zeit durch doppelte Wege zu verlieren. Architekten und Bauherren der 18 Gebäude mussten kurzfristig angerufen werden und es mussten exakte Zeitpunkte für die Besichtigungen ausgemacht werden. Dass am Ende alles wie am Schnürchen lief, ist primär den beiden zu verdanken, inklusive kühler Getränke und belegter Brote im klimatisierten Kleinbus. Bei tropischen Temperaturen von deutlich über 30 Grad war das kein Luxus, sondern Überlebensstrategie.

Nackte Zahlen verdeutlichen das Pensum: Nach zwei Tagen Rundfahrt zeigte der Tageskilometerzähler des Kleinbusses knapp 500 Kilometer an. Die Fitness-App eines Jurors meldete stolze zehn Kilometer, ausschliesslich in und um die nominierten Gebäude herum zurückgelegt.

Die acht Preisträger im Überblick

Juryvorsitzender Simon Joa zog ein positives Fazit: „Wir haben ein sehr breites Spektrum hochwertiger Beiträge kennengelernt. Der ländliche Raum bietet viele Chancen, eine hochwertige und nachhaltige Architektur zu entwickeln.“ Alle Entscheidungen fielen einstimmig. Hier sind die acht Gewinner:

Neubau Haus L, Fachklinik Haus Renchtal, Renchen. Die Fachklinik am Stadtrand von Renchen hat ein neues Bettenhaus erhalten, geplant von der Arbeitsgemeinschaft Haferkamp Kramer Wilkening Architekten und Lehmann Architekten aus Offenburg. Bauherr ist der Baden-Württembergische Landesverband für Prävention und Rehabilitation. Der Neubau fügt sich in die Hanglage ein und verbindet therapeutische Anforderungen mit einer Architektur, die den Bewohnern Würde und Raum gibt. Das Gebäude beeindruckt mit seiner horizontalen Gliederung, den umlaufenden Balkonen und einer Fassade aus hellen Holzlamellen, die in der grünen Umgebung eine einladende Atmosphäre schafft.

Kindertagesstätte Blumenau, Renchen. Architekt Philipp Boos aus Renchen hat für die Stadt eine Kindertagesstätte entworfen, die im Februar 2025 eingeweiht wurde. Der Holzbau mit Wärmepumpe, Photovoltaikanlage und Regenwasserzisterne bietet Platz für vier Gruppen, erweiterbar auf sechs. 1.800 Quadratmeter Spielfläche im Aussenbereich laden zum Entdecken ein. Ein Projekt, bei dem Nachhaltigkeit und Kinderfreundlichkeit Hand in Hand gehen.

Mietwohnungsbau 2 im Seidenfaden, Offenburg. Lehmann Architekten aus Offenburg haben für die Wohnbau Offenburg im Neubaugebiet Seidenfaden Mietwohnungen realisiert. Bezahlbarer Wohnraum mit gestalterischem Anspruch, ein Thema, das in der gesamten Ortenau drängend ist.

Werk 3 der NEUGART GmbH, Kippenheim. Die Leipziger W&V Architekten haben für den weltweit tätigen Getriebehersteller Neugart eine Produktionshalle entworfen, die im März 2025 eröffnet wurde. Über 25 Millionen Euro Investition, mehr als 7.000 Quadratmeter Nutzfläche, und der Beweis, dass auch Industriearchitektur preiswürdig sein kann. Die Architektenkammer Baden-Württemberg hatte das Gebäude bereits in ihre Datenbank „Beispielhaftes Bauen“ aufgenommen.

Wohnen und Arbeiten unter einem Dach, Nordrach. Architekt Michael Welle hat in seinem Heimatort Nordrach ein Haus für sich und seine Familie gebaut, und gleichzeitig sein Architekturbüro darin untergebracht. Das Holzhaus mit seiner markanten dunklen Fassade aus vertikal angeordneten Holzlatten und dem mit Photovoltaik belegten Pultdach fügt sich in die Schwarzwaldlandschaft ein wie selbstverständlich. Die F.A.Z. widmete dem „fünfeckigen Schwarzwaldhaus“ im Februar 2026 ein ausführliches Porträt. Im Inneren überrascht ein offenes Raumkonzept mit Empore, sichtbaren Holzbalken und einer Küche als Mittelpunkt des Familienlebens. Für die Jury stand das Haus, das Welle gemeinsam mit Isabelle Müller als Bauherrin realisierte, exemplarisch für den Trend zum nachhaltigen Bauen im ländlichen Raum.

SCHWARZ Waldhaus, Wolfach. Röing genannt Nölke Architekten aus Münster haben in Wolfach für einen privaten Bauherrn ein Waldhaus entworfen. Details werden nach Veröffentlichung der Architekturkritik folgen.

Erweiterung der Franz-Rapp-Schule, Oppenau. Lehmann Architekten aus Offenburg, in diesem Jahrgang gleich dreimal unter den Preisträgern, haben für die Stadt Oppenau die Schule erweitert. Das Offenburger Büro hatte den Zuschlag für ein i-förmiges Erweiterungsmodell erhalten, das sich behutsam in den Bestand einfügt.

Feuerwehrhaus mit DRK, Iffezheim. Bernd Zimmermann Architekten aus Ludwigsburg haben nach einem gewonnenen Architekturwettbewerb 2019 das neue Feuerwehrhaus mit integrierter DRK-Leitstelle für die Gemeinde Iffezheim geplant. Das 2024 fertiggestellte Gebäude nimmt die Form des Grundstücks auf und übersetzt sie in einen kompakten, zweigeschossigen Baukörper. Ein funktionaler Bau für den Ernstfall, und gleichzeitig ein architektonisches Ausrufezeichen.

Lehmann Architekten: Dreimal prämiert

Auffällig in diesem Jahrgang: Das Offenburger Büro Lehmann Architekten, geleitet von Gunnar Lehmann, der gleichzeitig Kreisvorsitzender des BDA ist, erhielt gleich drei Auszeichnungen: für die Fachklinik in Renchen (in Arbeitsgemeinschaft), den Mietwohnungsbau im Seidenfaden und die Schulerweiterung in Oppenau. Lehmann selbst hatte bei der Auslobung im April betont: „Das Verfahren ist ein strenger Gradmesser für die Qualität der aktuellen regionalen Planungs- und Bautätigkeit. Eine Auszeichnung versteht sich als besondere Anerkennung für einen wertvollen Beitrag zur Baukultur als öffentlichem Gut.“ Dass sein eigenes Büro diesen Gradmesser gleich dreimal besteht, spricht für sich.

Was die Preise verraten: Holz, Nachhaltigkeit, ländlicher Raum

Wer die acht Preisträger nebeneinanderlegt, erkennt Muster. Holzbau ist kein Nischenthema mehr, sondern Mainstream: Die Kita in Renchen, das Wohnhaus in Nordrach, das Waldhaus in Wolfach, Holz als Baustoff zieht sich durch die Auszeichnungen. Photovoltaik und nachhaltige Energiekonzepte sind keine Zugabe mehr, sondern selbstverständlich. Und der ländliche Raum, von Nordrach über Wolfach bis Iffezheim, beweist, dass architektonische Qualität keine Frage des Standorts ist.

Der Hugo-Häring-Preis, benannt nach dem in Biberach an der Riss geborenen Architekten und Theoretiker des Neuen Bauens Hugo Häring (1882-1958), wird seit 1969 alle drei Jahre vergeben. In der ersten Stufe zeichnen die 15 Kreisgruppen in Baden-Württemberg die besten Bauten ihrer Region aus, der „kleine Hugo“. Die Preisträger auf Kreisebene nehmen anschliessend am Landesentscheid um den Hugo-Häring-Landespreis teil, den „grossen Hugo“. Für die acht mittelbadischen Gewinner geht die Reise also weiter.

Wie geht es weiter?

In den kommenden Wochen wird Dr. Ulrich Coenen, der als Fachjournalist und Lehrbeauftragter an der Professur für Stadtquartiersplanung am KIT beide Perspektiven verbindet, zu jedem Gewinnerprojekt eine ausführliche Architekturkritik veröffentlichen. Wir werden diese auf www.regio-ortenau.de für Sie begleiten.

Sie kennen eines der ausgezeichneten Gebäude? Oder haben Sie ein anderes Bauwerk in der Ortenau entdeckt, das Sie architektonisch beeindruckt? Schreiben Sie uns, wir freuen uns auf Ihre Entdeckungen!

Kurz zusammengefasste FAQ

Was ist die Hugo-Häring-Auszeichnung?

Der Architekturpreis des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) in Baden-Württemberg. Er wird seit 1969 alle drei Jahre vergeben. Zuerst zeichnen die 15 Kreisgruppen die besten Bauten ihrer Region aus („kleiner Hugo“), danach folgt der Landesentscheid („grosser Hugo“).


Wie viele Gebäude wurden 2026 in Mittelbaden ausgezeichnet?

Acht. Vor drei Jahren waren es noch elf. Alle Entscheidungen fielen einstimmig.


Wer sass in der Jury?

Ein fünfköpfiges Preisgericht: Simon Joa (Vorsitz), Thomas Wuttke (Baubürgermeister Kehl), Brigitte Häntsch (Berlin), Berthold Jungblut (Köln) und ein Fachjournalist.


Welches Büro war am erfolgreichsten?

Lehmann Architekten aus Offenburg mit drei Auszeichnungen: Fachklinik Renchen (in Arbeitsgemeinschaft), Mietwohnungsbau Seidenfaden und Schulerweiterung Oppenau.


Welche Trends zeigen die Preisträger?

Holzbau, Photovoltaik und nachhaltige Energiekonzepte, und starke architektonische Qualität im ländlichen Raum.

Quelle: Dr. Ulrich Coenen (Reportage) / Redaktion: Andreas Peter Geng [apg] | Fotos: Ulrich Coenen