Friday, der 18 September 2026
 
 

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Wenn Mama wieder geht: Der Wiedereinstieg zwischen Mut und Schuldgefühl

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Nadja Meffert Hebamme

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Wenn Mama wieder geht: Der Wiedereinstieg zwischen Mut und Schuldgefühl

 

Bildnachweis: KI-generiert

Alle sagen: „Das wird super!“ Niemand sagt: „Es wird auch wehtun.“ Eine ehrliche Geschichte über den Wiedereinstieg - und wer man jetzt eigentlich ist.

Clara hatte den ersten Arbeitstag nach acht Monaten drei Wochen lang herbeigesehnt. Das eigene Projekt. Die eigene Schreibtischlade. Gespräche, die nicht um Schlafphasen kreisten. Ein warmes Mittagessen.

Und dann klingelte der Wecker um sechs, und sie lag da und dachte: Ich kann das nicht.

Nicht weil sie ihren Job nicht mehr wollte. Sondern weil Ben im Nebenzimmer noch schlief - und sie in drei Stunden gehen würde, ohne dass er wusste, warum.

Die Gefühle, die keiner ankündigt

„Ich hatte gedacht, ich freue mich einfach“, erzählte Clara bei Nadja. „Und ich freue mich. Aber gleichzeitig bin ich auch ... schuldig? Das klingt doch absurd.“

Nadja schüttelte den Kopf. „Es klingt ehrlich. Und es ist so normal, dass ich es bei fast jeder Mutter erlebe.“

Sie erklärte: „Du hast acht Monate lang Dein Leben vollständig um einen anderen Menschen ausgerichtet. Dein Gehirn, Dein Körper, Dein Tagesrhythmus - alles war auf Ben eingestellt. Und jetzt wechselst Du innerhalb von Stunden zurück in eine Rolle, die Du vorher kanntest, die sich aber nicht mehr gleich anfühlt.“

„Weil ich mich nicht mehr gleich anfühle“, sagte Clara.

„Genau“, sagte Nadja. „Du bist nicht mehr dieselbe. Das ist kein Verlust. Das ist Wachstum. Aber Wachstum tut manchmal weh.“

Das doppelte Leben

Die ersten Wochen waren ein Balanceakt auf schmalem Grat.

Morgens: Ben in die Kita bringen, schnell sein, nicht zu lange drücken, weil es sonst noch schwerer wurde. Im Auto: kurz weinen, dann Musik an, Modus wechseln.

Im Büro: Kolleginnen, die fragten, wie es war. Meetings, die sie vermisst hatte. Das Gefühl, wieder Boden unter den Füssen zu haben - und gleichzeitig immer ein Ohr beim Handy, falls die Kita anrief.

Nachmittags: Ben abholen, der fröhlich auf sie zugerannt kam und so tat, als wäre gar nichts gewesen. Was das Schuldgefühl seltsamerweise nicht verkleinerte.

„Er vermisst mich offensichtlich nicht mal“, sagte Clara mit einem Anflug von Kränkung.

Nadja lachte warm. „Das ist das grösste Kompliment, das er Dir machen kann. Er ist so sicher, dass Du wiederkommst, dass er es gar nicht bezweifelt.“

Wer ist man jetzt?

Die eigentliche Frage, die Clara mit sich trug, war eine andere. Sie sprach sie erst beim dritten Besuch aus:

„Ich weiss nicht mehr, wer ich bin. Bin ich Mutter? Bin ich Berufstätige? Beides fühlt sich halb an.“

Nadja liess die Frage kurz im Raum stehen.

„Du bist beides. Ganz. Nicht halb und halb - sondern beides vollständig. Nur zu unterschiedlichen Zeiten des Tages.“ Sie pausierte kurz. „Und das braucht Zeit, bis sich das richtig anfühlt. Manche Frauen benötigen Wochen, manche Monate. Es gibt kein Richtig oder Falsch dabei.“

Was wirklich hilft

Nadja hatte keine Patentlösung. Aber sie hatte Erfahrung.

Den Übergang gestalten: keinen abrupten Vollzeit-Einstieg, wenn es irgendwie vermeidbar ist. Der Körper und der Kopf benötigen Anlaufzeit.

Schuldgefühle benennen: nicht wegdrücken. Sagen: „Ich fühle mich schuldig.“ Und dann fragen: „Wofür genau?“ Oft löst sich das Gefühl, wenn man es in Worte fasst.

Den Partner einbeziehen: Der Wiedereinstieg ist kein Solo-Projekt. Wer holt ab, wer bleibt, wenn Ben krank ist, wer übernimmt morgens?

Sich selbst erlauben, anzukommen: Es ist okay, den Kaffee im Büro zu geniessen. Es ist okay, ein Meeting gut zu finden. Es ist kein Verrat an Ben.

Drei Monate später

Clara sass im Büro und bereitete eine Präsentation vor. Ihr Handy lag stumm auf dem Tisch. Die Kita hatte nicht angerufen.

Auf dem Sperrbildschirm: ein Foto von Ben, der lacht.

Sie schaute es kurz an. Dann weiter mit der Präsentation.

„Ich habe gelernt“, erzählte sie Nadja danach, „dass ich Ben nicht weniger liebe, weil ich meinen Job liebe. Ich liebe ihn anders. Vollständiger, glaube ich.“

Nadja nickte. „Willkommen im nächsten Kapitel.“

Steht Dein Wiedereinstieg bevor? Es ist normal, dass es sich komisch anfühlt. Es ist normal, dass beides gleichzeitig stimmt - die Freude und das Schuldgefühl. Sprich darüber. Mit Deiner Hebamme, mit anderen Müttern, mit Dir selbst. Und dann: Geh. Du kommst wieder. Dein Kind weiss das - auch wenn Du es gerade noch lernst.

Du hast Fragen - oder möchtest einfach nur reden? Nadja ist für Dich da - per Telefon unter 0170 552 77 08, per WhatsApp oder per Mail an nadja.meffert@web.de. Ganz unkompliziert, ganz persönlich - so wie eine gute Hebamme eben ist.

Text: apg.