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Geschenkte Zeit

Aus dem Schreibgiebel · Oktober 2026

Klaus Huber

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Geschenkte Zeit

 

Geschenkte Zeit

Vier Herbstgedichte zwischen Ernte und Ewigkeit

Wenn Termine zu Lawinen werden

Am 21. September – der erste Herbsttag fällt auf einen Montag – schreibt Klaus Huber über etwas, das die meisten kennen: den Terminkalender, der überrollt. Pflichten, die sich auftürmen. Und die Erkenntnis, dass gerade in diesem Trubel das steckt, was das Leben reich macht. Zwanzig Zeilen, die aus einer Last eine Dankbarkeit machen:

Zeit-Lawinen

In der Reihe von Terminen
wirken diese wie Lawinen,
die sich in bewegtem Leben
Tag für Tag für uns ergeben.

Wir bemühen uns, die Pflichten
nach Bedürfnis auszurichten
auf das, was uns letztlich trägt
und, was uns im Leben prägt.

Wir sind willig, zu erfüllen,
was im Alltag Sehnsucht stillen
kann, Erleben reicher macht.
Hierbei spüren wir ganz sacht:

Dies bereichert uns, die Zeit,
die man diesem Treiben weiht.
Erscheint bislang es als Last,
was du zu erfüllen hast,

erweist es sich dir mit Macht,
dass du dankst, was du vollbracht.
Resultat wird dir zum Schluss,
gern zu tun, was du nun musst.

Klaus Huber

Acht Zeilen Herbst

Vier Tage später, am 25. September, dann das kürzeste Gedicht dieser Reihe – und vielleicht das schönste. Acht Zeilen nur. Das milde Licht des Herbstes über dem Land. Die letzte Ernte. Die Dankbarkeit für geschenkte Zeit. Kein Wort zu viel:

Herbst-Licht

Der Herbst streut mildes Sonnenlicht
über Lande, was verspricht,
dass uns letzte Ernte winkt,
in der Dankbarkeit mitschwingt.

Wir verspüren hierbei sacht,
dass uns dies zufrieden macht,
aus beseelter Dankbarkeit
für solche geschenkte Zeit.

Klaus Huber

Die Stimme um vier Uhr morgens

Wer Klaus Hubers Gedichte liest, kennt inzwischen seine schlaflosen Nächte. Der Wecker klingelt nicht – ein Gedanke klingelt. Und Klaus steht auf. Nicht widerwillig, sondern dankbar. Weil er weiß: Erst wenn das Herz gesprochen hat, ist die Seele satt.

Weck-Ruf

Wenn dich ein Gedanke weckt,
spürst du, was tief in dir steckt,
was es nun zu sagen gilt
und dich innerlich erfüllt.

Schlafen kannst du auch danach,
falls dein Herz nun offen sprach.
Neu zufrieden bist du erst,
wenn du aufwachend erfährst,

was den Schlaf gekostet hat.
Hiernach ist die Seele satt.

Klaus Huber

Was bleibt, wenn wir gehen

Am 2. Oktober dann das längste und tiefste Gedicht dieser Reihe. Klaus Huber schreibt über das, was mit 80 nicht mehr zu verdrängen ist: Fähigkeiten, die entgleiten. Kräfte, die nachlassen. Aber auch: Ideen, die weiter sprießen. Und die Hoffnung, dass das Geschaffene die Welt überdauert. Elf Reimpaare – ein ganzes Leben in 22 Zeilen:

Überlegung im Alter

Schweben wir bislang auf Wolken
– es gilt, innerem Ruf zu folgen,
dank Reifens nicht zu vergessen,
dass wir uns an Zielen messen,

welche gewohnten Fähigkeiten
– bisher geübt – nun entgleiten.
Trotz Bemühens, noch im Guten,
versagt es sich, uns zuzumuten,

was uns nun überfordern würde,
auf uns lastet nun als Bürde.
Alter gilt es zu genießen,
wenn auch noch Ideen sprießen.

In der Reihe vieler Pflichten
ist besonnen zu gewichten,
was noch möglich ist im Leben,
sich – erlöst – dem hinzugeben.

Scheide ich aus dieser Welt,
hoffe ich, dass sie erhält,
was mir so am Herzen lag,
ich erhoffte Tag für Tag.

Einsicht dank Vernunft gewinnt,
wenn wir mit uns einig sind.

Klaus Huber

Vier Gedichte, ein Bogen: vom Trubel der Termine über das stille Herbstlicht und den nächtlichen Weckruf bis zur großen Frage, was wir hinterlassen. Der Sommer ist vorbei. Der Herbst wird zur Metapher. Und Klaus Huber schreibt weiter – weil die Seele sonst nicht satt wird.

Unterwegs auf Hesses Spuren: Anfang Oktober nimmt Klaus Huber an den Hermann-Hesse-Tagen in Gaienhofen am Bodensee teil – eine Tradition, die dem Dichter vom Dachsbuckel seit Jahren am Herzen liegt. Dort, wo Hesse einst lebte und schrieb, fühlt er sich dem großen Vorbild besonders nah.

Scheide ich aus dieser Welt,
hoffe ich, dass sie erhält,
was mir so am Herzen lag,
ich erhoffte Tag für Tag.
· · ·

Über den Autor

Klaus Huber, geboren in Achern, ist pensionierter Grundschullehrer, Lyriker und freier Autor. Als „Klaus vom Dachsbuckel" verbindet er in seinen Gedichten der Begegnung und Ermutigung Heimatverbundenheit mit christlichen Werten und feinsinnigem Humor. Im Juli 2026 feierte er seinen 80. Geburtstag – und dichtet weiter, fast täglich.

Weitere Werke: www.klausvomdachsbuckel.de