Friday, der 28 August 2026
 
 

NEWS

Sie befinden sind hier: Startseite > Ortenau > Newsreader_ht24
news

Fünf Löwen in der Wüste – ein Mann aus Freistett kämpft um ihr Überleben

Neuigkeiten

Regio Ortenau

Löwenstr. 60
77966 Kappel-Grafenhausen
Telefon: 07822-437350
Telefax:
Firmenprofil
Fünf Löwen in der Wüste – ein Mann aus Freistett kämpft um ihr Überleben

 

BILDNACHWEIS: Alle Fotos: Matto Barfuß / Matto Barfuss Stiftung

Matto Barfuß aus Rheinau-Freistett dokumentiert das Aussterben der Wüstenlöwen Namibias und warnt: Ohne Umdenken ist diese einzigartige Population in wenigen Jahren Geschichte.

Lesezeit: ca. 7 Minuten

Sie jagen Robben an der Atlantikküste, erlegen allein ausgewachsene Giraffen und überleben in einer Landschaft, in der es monatelang nicht regnet. Doch von den legendären Wüstenlöwen Namibias existieren nur noch fünf bis zehn Tiere. Der Mann, der ihren Untergang seit Jahren dokumentiert, lebt in Rheinau-Freistett.

26.08.2026, Rheinau-Freistett, apg. Matto Barfuß ist kein gewöhnlicher Naturschützer. Der 56-Jährige, geboren 1970 in Sinsheim, lebt und arbeitet seit Jahren in Rheinau-Freistett, also mitten in der Ortenau. Von hier aus bricht er regelmässig nach Afrika auf, filmt wilde Löwen und Geparden aus nächster Nähe, komponiert Musik, malt grossformatige Bilder, fotografiert und schreibt Bücher.

Wer ihn in seinem Kunsthaus in der Achertalstraße besucht, einem der ältesten Niedrigenergiehäuser der Region, Zedernholz, Wärmepumpe, ein Zwillingshaus mit Innenbrücke und Ausstellungsflächen über drei Ebenen, begreift schnell: Dieser Mann denkt nicht in Schubladen.

Sein Künstlername ist zugleich Programm: Barfuß. Der als Matthias Huber geborene Künstler erhielt diesen Namen durch eine spektakuläre Aktionskunst-Wanderung im Jahr 1989. Damals lief er in 20 Tagen ohne Schuhe über die Alpen, um auf die Zerstörung der Natur und die Bodenerosion im Hochgebirge aufmerksam zu machen. Die Schmerzen und die Zerstörung seiner eigenen Füsse dienten ihm als symbolischer Vergleich zur beschädigten Natur.

Sieben Jahre später begann er, in der ostafrikanischen Serengeti-Savanne, mit einer wilden Gepardenfamilie zusammenzuleben, insgesamt 25 Wochen, verteilt auf mehrere Aufenthalte zwischen 1996 und 2002. Die Medien nannten ihn den „Gepardenmann“. SWR, ARD, RTL, BBC, sie alle berichteten über den Mann, der mit Raubkatzen lebt.

Wir hatten Matto Barfuß bereits vor einiger Zeit im Gespräch: Zum Artikel #RegioGespräch mit Matto Barfuß, damals im Kontext seines aktuellen Kinofilms PAMBARA, der im Oktober 2023 seine Baden-Württemberg-Premiere in Offenburg feierte.

Doch was Barfuß in den vergangenen Wochen aus Namibia an die Öffentlichkeit gebracht hat, ist keine Abenteuergeschichte mehr. Es ist ein trauriger Abschied. Anfang August 2026 veröffentlichte er über seine Stiftung eine Pressemitteilung, deren Überschrift alles sagt: „Ist das Ende der Wüstenlöwen gekommen?“

Fünf bis zehn, das ist kein Bestand, das ist ein Countdown

Um die Wüstenlöwen Namibias ist es still geworden. Die Tiere leben in den ariden (trockenen) Wüstengebieten im Nordwesten des Landes und ziehen bis an die berühmte Skelettküste, wo der Atlantik auf eine der lebensfeindlichsten Landschaften der Erde trifft. An dieser kargen, windgepeitschten Küste jagen sie zuweilen Robben in einer dort ansässigen Kolonie. Es sind Bilder, die surreal wirken: ein Löwe im Nebel des Atlantiks, Robben auf dem Speiseplan. Doch genau das ist die Realität dieser hochspezialisierten Tiere, und genau solche Bilder hat Matto Barfuß mitgebracht.

Er filmt die Wüstenlöwen seit 2018. Schon zu Beginn seiner Filmexkursionen war er wenig optimistisch, denn es gab bereits damals nur ein sehr fragiles Rudel sowie einzelne Löwen, weit verstreut in einem unvorstellbar weitläufigen Gebiet. Aktuell, so Barfuß, gibt es noch fünf bis maximal zehn wirkliche Wüstenlöwen. Da diese Tiere verwandtschaftlich eng miteinander verbunden sind und kein intaktes Rudel mehr besteht, fehlt ihnen das soziale Netz, das Löwen zum Überleben brauchen. Kranke oder alte Tiere werden normalerweise vom Rudel mitversorgt. Dieser Rückhalt ist in den Jahren 2023 und 2024 endgültig verloren gegangen.

Bis Ende 2022 filmte Barfuß noch ein kleines Rudel, in dem Ende 2020 vier Babys geboren wurden. Zwei davon überlebten. Eine Löwin aus dem Rudel, die Schwester der Mutter, zog schliesslich mit dem verbliebenen Nachwuchs Richtung Atlantikküste. Ihre sichtlich alternde Schwester blieb in einem Wüstental zurück. Allein.

Die einsame Löwin, eine Tragödie in vier Akten

Im Juni 2024 erlegte diese allein zurückgebliebene Löwin eine fast ausgewachsene Giraffe. Giraffen, Oryxe und Springböcke sind die wichtigsten Beutetiere der Wüstenlöwen, Tiere, die weitgehend ohne Wasser auskommen.

„Ich dachte mir, oh Mädchen, deine Zähne sind nicht mehr gut“, erzählt Matto Barfuß. „Mir war klar, dass sie ohne Rudel nicht mehr lange überleben würde, denn sie baute in jeglicher Hinsicht stark ab.“

Im Juni 2025 erlangte diese Löwin dann traurige Berühmtheit. Am Verhungern, lauerte sie frühmorgens gegen vier Uhr einem Mann auf, der vom Dachzelt seines Geländewagens kletterte. Sie brach ihm das Genick. Er war auf der Stelle tot. Die bittere Ironie: Das Opfer war ein namibischer Unternehmer, der das Wüstenlöwen-Schutzprojekt über viele Jahre aktiv gesponsert hatte. Nachdem die Löwin am folgenden Tag in ein nahegelegenes Zeltcamp eindrang, wurde sie erschossen.

Diese Geschichte ist mehr als eine tragische Einzelmeldung. Sie steht exemplarisch für das Grundproblem: Ohne Rudel, ohne Revier, ohne Rückhalt werden selbst die zähesten Individuen zu einem Risiko, für sich selbst und für die Menschen, die ihren Lebensraum teilen.

Warum Wüstenlöwen anders sind

Wüstenlöwen sind keine normalen Löwen, die zufällig in der Wüste gestrandet sind. Sie sind hochspezialisiert. Sie bleiben deutlich länger bei der Mutter als ihre Artgenossen in der Savanne, denn nur ein perfekt ausgebildeter Löwe hat eine Chance, in einem derart kargen Lebensraum zu überleben. Sie jagen Tiere, die selbst Extremisten der Natur sind: Oryxantilopen, Springböcke, Giraffen. Und wenn alles andere fehlt, gehen sie an die Atlantikküste und jagen Robben. Kein anderer Löwe der Welt tut das.

Genau diese Einzigartigkeit macht sie unersetzlich und macht es gleichzeitig unmöglich, den Bestand einfach durch Umsiedlung von Löwen aus anderen Gebieten aufzufüllen. Löwen aus dem Etosha-Nationalpark etwa, einem knapp 23.000 Quadratkilometer grossen Reservat im Norden Namibias, könnten in der Wüste an der Skelettküste nicht überleben. Ihnen fehlt die über Generationen erlernte Anpassung.

Ein 850 Kilometer langer Zaun, der nicht mehr existiert

Und hier wird die Geschichte politisch. Der Etosha-Nationalpark wurde in den siebziger Jahren mit einem rund 850 Kilometer langen, „elefantensicheren“ Zaun eingezäunt, um die Tierwelt von den neu errichteten Siedlungen im Norden Namibias zu trennen. Dieser Zaun ist heute nahezu nicht mehr vorhanden. Die Folge: Löwen und Elefanten wandern ins Umland, direkt in die Gebiete der Farmer.

Die Farmer können mit dieser Situation nicht umgehen, kennen keine geeigneten Schutzmassnahmen und melden seit geraumer Zeit, es gäbe „viel zu viele Wüstenlöwen“ im Nordwesten. Bei einem Treffen mit dem Umweltminister forderten sie vor wenigen Wochen eine Reduzierung der Löwenbestände. Das Problem: Es wird offiziell und falsch kommuniziert, dass es sich bei den Tieren aus dem Etosha-Umland um Wüstenlöwen handelt. Das sind sie per Definition nicht. Es sind Savannenlöwen, die aus einem löchrig gewordenen Reservat auswandern.

Die Jagdverbände machen sich diese Darstellung zu eigen und fordern mehr Abschüsse für die Trophäenjagd. Angesichts der Tatsache, dass die Löwenbestände in Afrika seit den sechziger Jahren um mehr als 95 Prozent zurückgegangen sind, von einst rund 400.000 auf heute geschätzt 20.000 bis 25.000 Tiere, IUCN-Status „Vulnerable“, ist das eine fatale Entwicklung. Für die echten Wüstenlöwen, so Matto Barfuß, sei es der „berühmt-berüchtigte Sargnagel“.

Auch um Dr. Philip Stander, den Wissenschaftler, der nahezu alle verbliebenen Wüstenlöwen mit GPS-Halsbändern ausgestattet hatte, ist es still geworden. Sein Schutzprojekt, das als Frühwarnsystem für Mensch-Löwen-Konflikte diente, veröffentlichte den letzten Sichtungsreport Ende 2024.

Was Namibia zu verlieren hat

Namibia steht vor einer Grundsatzentscheidung. Das Land braucht die Wüstenlöwen als Zugpferd für den Tourismus, Touristen erwarten nicht nur spektakuläre Landschaften, sondern auch die Symboltiere des Kontinents. Die Wüstenlöwen selbst sind wohl nicht mehr zu retten, schreibt Barfuß in seiner Analyse. Aber deren nahe Verwandte in der semi-ariden Nachbarschaft könnten dem Nordwesten des Landes eine langfristige wirtschaftliche Perspektive geben. Sie seien „auf jeden Fall ein höherer wirtschaftlicher Faktor als die dort ansässigen Farmbetriebe.“ Es bestehe aber dringender Handlungsbedarf, das mit tragfähigen Konzepten zu unterlegen.

Der Mann aus Freistett

Matto Barfuß ist nicht nur Tierfilmer. Er ist Maler, Musiker, Buchautor, Fotograf, Filmemacher und Gründer einer gemeinnützigen Stiftung. Die Matto Barfuss Stiftung, 2025 gegründet und hervorgegangen aus dem 1998 ins Leben gerufenen Verein „Leben für Geparden e.V.“, setzt sich mit dem Projekt „Bildung für Artenschutz“ dafür ein, Mensch-Tier-Konflikte auf dem Bildungsweg einzudämmen. Konkret: Schulen in Europa und Botswana werden zusammengebracht, um Kinder für das Thema Artenvielfalt zu sensibilisieren. Im Juli 2026 wurde die Stiftung zusätzlich in Botswana gegründet. Weltweit gibt es weniger als 7.000 freilebende Geparden.

Sein Kinofilm PAMBARA ist nach wie vor sehenswert. Er kann hier ausgeliehen und gestreamt werden: https://vimeo.com/ondemand/pambara. Sein Musikalbum „Wild Life & Love“, verfügbar auf allen gängigen Streamingportalen, trägt Titel wie „Plains of Serengeti“, „My Friend Lion“ oder „Pray of the Lioness“. Es ist leise Musik, und sie trifft.

Von der Achertalstraße in Freistett aus koordiniert Barfuß seine Expeditionen, schneidet seine Filme, plant seine Vorträge und organisiert „Afrikawochenenden“ sowie private Filmbegleittouren nach Namibia und Botswana, bei denen Teilnehmende hautnah erleben können, wie ein Dokumentarfilm entsteht.

Es ist eine eigenwillige Mischung aus Kunst, Wissenschaft und Aktivismus, die diesen Mann antreibt. Und die Tatsache, dass er das von einem kleinen Ort am Rhein aus tut, mitten in der Ortenau, macht die Geschichte nicht kleiner, sondern grösser.

Wüstenlöwen Namibias, Fakten auf einen Blick

Was sind Wüstenlöwen?

Eine hochspezialisierte Population des Afrikanischen Löwen (Panthera leo), die in den ariden Wüstengebieten im Nordwesten Namibias bis zur Skelettküste am Atlantik lebt. Sie unterscheiden sich von Savannenlöwen durch ihre Anpassung an extreme Trockenheit und ein gänzlich anderes Jagdverhalten.

Wie viele gibt es noch?

Nach Angaben von Matto Barfuß (Stand August 2026) noch fünf bis maximal zehn Tiere. Ein intaktes Rudel existiert nicht mehr.

Warum sterben sie aus?

Konflikte mit Farmern, Verlust des Rudel-Zusammenhalts, genetische Verengung und politische Fehlinformation, die Etosha-Löwen fälschlich als „Wüstenlöwen“ darstellt.

Wie viele Löwen gibt es insgesamt in Afrika?

Geschätzt 20.000 bis 25.000, ein Rückgang von über 95 Prozent seit den 1960er Jahren. Der IUCN-Status lautet „vulnerable“ (gefährdet).

Wer ist Matto Barfuß?

Tierfilmer, Künstler und Naturschützer aus Rheinau-Freistett (Ortenaukreis). Gründer der Matto Barfuss Stiftung. Bekannt als „Gepardenmann“ seit 1996. Filmt die Wüstenlöwen seit 2018.

So können Sie helfen

Die Matto Barfuss Stiftung ist gemeinnützig, alle Spenden sind steuerlich voll absetzbar. Sie können die Stiftung direkt über das Spendenportal unter helpmundo.de unterstützen oder sich aktiv einbringen: etwa indem Sie das Konzept „Globale Verantwortung und Artenvielfalt“ an Ihre Kommune oder Schule holen. Die Stiftung sucht engagierte Mitstreiter, die beim Aufbau eines Film- und Kunstarchivs helfen oder Schulpartnerschaften zwischen Europa und Botswana koordinieren möchten.

Weitere Informationen www.matto-barfuss.com
Stiftung www.matto-barfuss-stiftung.de
E-Mail mail@matto-barfuss.de
Telefon +49 7844 911456

Häufige Fragen zu den Wüstenlöwen Namibias (FAQ)

Was unterscheidet Wüstenlöwen von normalen Löwen?

Wüstenlöwen sind eine hochspezialisierte Population des Afrikanischen Löwen, die in den ariden Wüstengebieten im Nordwesten Namibias bis an die Skelettküste lebt. Sie jagen unter anderem Robben am Atlantik, bleiben deutlich länger bei der Mutter als Savannenlöwen und sind an extreme Trockenheit angepasst. Löwen aus dem Etosha-Nationalpark könnten in ihrem Lebensraum nicht überleben.


Warum sind die Wüstenlöwen vom Aussterben bedroht?

Stand August 2026 gibt es laut dem Tierfilmer Matto Barfuß noch fünf bis maximal zehn echte Wüstenlöwen. Das letzte intakte Rudel zerfiel 2023/2024. Hauptursachen sind tödliche Konflikte mit Farmern, fehlende politische Unterstützung für Schutzmassnahmen und die genetische Verengung des Bestands.


Wer ist Matto Barfuß und was hat er mit den Wüstenlöwen zu tun?

Matto Barfuß ist ein in Rheinau-Freistett lebender Tierfilmer, Künstler und Naturschützer. Seit 1996 als „Gepardenmann“ bekannt, filmt er seit 2018 die letzten Wüstenlöwen Namibias. 2025 gründete er die gemeinnützige Matto Barfuss Stiftung, die sich mit dem Projekt „Bildung für Artenschutz“ für die Koexistenz von Menschen und Wildtieren einsetzt.


Gibt es eine Möglichkeit, die Wüstenlöwen noch zu retten?

Die Wüstenlöwen selbst sind nach Einschätzung von Matto Barfuß kaum noch zu retten. Allerdings könnten verwandte Löwenpopulationen in den semi-ariden Nachbargebieten überleben, wenn Namibia auf nachhaltigen Wildtiertourismus setzt und tragfähige Konzepte zur Vermeidung von Mensch-Tier-Konflikten entwickelt.


Wie kann ich die Arbeit zum Schutz der Löwen unterstützen?

Spenden an die Matto Barfuss Stiftung sind steuerlich absetzbar und können über helpmundo.de eingereicht werden. Die Stiftung sucht ausserdem aktive Unterstützer für Schulpartnerschaften und den Aufbau eines Film- und Kunstarchivs. Kontakt: mail@matto-barfuss.de oder +49 7844 911456.


Was hat die Trophäenjagd mit dem Aussterben der Wüstenlöwen zu tun?

Jagdverbände in Namibia nutzen die Behauptung, es gäbe „zu viele Wüstenlöwen“, um mehr Abschüsse zu fordern. Tatsächlich handelt es sich überwiegend um Löwen, die aus dem Etosha-Nationalpark ausgewandert sind. Da die Löwenbestände in ganz Afrika seit den 1960er Jahren um über 95 Prozent zurückgegangen sind, warnen Naturschützer vor jeder weiteren Bestandsreduzierung.

Quellen: Pressemitteilung Matto Barfuss Stiftung via pressetext.com (03.08.2026) | matto-barfuss.com | matto-barfuss-stiftung.de | IUCN Red List: Panthera leo

Text: apg.