Thursday, der 03 April 2025
 
 

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Es war einmal... die Alte im Wald

Märchen

Katrin Bamberg - Spinnradmärchen

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Es war einmal... die Alte im Wald

 

Ein Märchen der Brüder Grimm

Es fuhr einmal ein armes Dienstmädchen mit seiner Herrschaft durch einen großen Wald, und als sie mitten darin waren, kamen Räuber aus dem Dickicht hervor und ermordeten, wen sie fanden. Da kamen alle miteinander um bis auf das Mädchen, das war in der Angst aus dem Wagen gesprungen und hatte sich hinter einem Baum verborgen. Wie die Räuber mit ihrer Beute fort waren, traten sie herbei und sahen das große Unglück. Da fing es an bitterlich zu weinen und sagte: „Was soll ich arme Mädchen nun anfangen, ich weiß mich nicht aus dem Wald herauszufinden, keine Menschenseele wohnt darin, so muss ich gewiß verhungern.“ Es ging herum, suchte einen Weg, konnte aber keinen finden. Als es Abend war, setzte es sich unter einen Baum, befahl sich Gott und wollte da sitzen bleiben und nicht weggehen, möchte geschehen, was immer wollte.

Als es aber eine Weile da gesessen hatte, kam ein weißes Täubchen zu ihm geflogen und hatte ein kleines, goldenes Schlüsselchen im Schnabel. Das Schlüsselchen legte es ihm in die Hand und sprach: „Siehst du dort den großen Baum, daran ist ein kleines Schloß, das schließ mit dem Schlüsselchen auf, so wirst du Speise genug finden und keinen Hunger mehr leiden.“ Da ging es zu dem Baum und schloß ihn auf und fand Milch in einem kleinen Schüsselchen und Weißbrot zum Einbrocken dabei, dass es sich satt essen konnte. Als es satt war, sprach es: „Jetzt ist es Zeit, wo die Hühner daheim auffliegen, ich bin so müde, könnte ich mich doch auch in meinem Bett legen.“ Da kam das Täubchen wieder geflogen und brachte ein anderes goldenes Schlüsselchen im Schnabel und sagte: „Schließ dort den Baum auf, so wirst du ein Bett finden.“ Da schloß es auf und fand ein schönes, weiches Bettchen; da betete es zum lieben Gott, er es behüten in der Nacht, möchte sich legen und schlief ein. Am Morgen kam das Täubchen zum dritten Mal, brachte wieder ein Schlüsselchen und sprach: „Schließ dort den Baum auf, da wirst du Kleider finden“, und wie es aufschloß, fand es Kleider, mit Gold und Edelsteinen besetzt, so herrlich, wie sie keine Königsstochter hat. Also lebte es da eine Zeit lang, und kam das Täubchen alle Tage und sorgte für alles, was es bedurfte, und war das ein stilles, gutes Leben.

Einmal aber kam das Täubchen und sprach: „Willst du mir etwas zuliebe tun?“

„Von Herzen gerne“, sagte das Mädchen. Da sprach das Täubchen: „Ich will dich zu einem kleinen Häuschen führen, da geh hinein, mittendrein am Herd wird eine alte Frau sitzen und ›Guten Tag‹ sagen Steinen, die laß aber liegen und suche einen schlichten heraus, der auch darunter sein muß, und bring ihn zu mir her, so geschwind du kannst.

Das Mädchen ging zu dem Häuschen und trat zu der Türe ein; Da saß eine Alte, die große Augen machte, wie sie es erblickte, und sprach: „Guten Tag, mein Kind.“ Es gab ihr aber keine Antwort und ging auf die Türe zu. „Wohinaus?“ Rief sie und faßte es beim Rock und wollte es festhalten, „das ist mein Haus, da darf niemand hierher, wenn ich's nicht haben will.“ Aber das Mädchen schwieg immer noch, machte sich von ihr los und ging gerade in die Stube hinein. Da lag nun auf dem Tisch eine übergroße Menge von Ringen, die glitzerten und glitzerten ihm vor den Augen; Es warf sie herum und suchte nach dem schlichten, konnte ihn aber nicht finden.

Wie es so suchte, sah es die Alte, wie sie daherschlich und einen Vogelkäfig in der Hand hatte und damit fort wollte. Da ging es auf sie zu und nahm ihr den Käfig aus der Hand, und wie es ihn aufhob und hineinsah, saß ein Vogel darin, der den schlichten Ring im Schnabel hatte. Da nahm es den Ring und lief ganz froh damit zum Haus hinaus und dachte, das weiße Täubchen würde kommen und den Ring holen, aber es kam nicht. Da lehnte es sich an einen Baum und wollte auf das Täubchen warten, und wie es so stand, da wars, als wäre der Baum weich und biegsam und senkte seine Zweige herab. Und auf einmal schlangen sich die Zweige um es herum und waren zwei Arme, und wie es sich umsah, war der Baum ein schöner Mann, der es erfasste und herzlich küßte und sagte: „Du hast mich erlöst und aus der Gewalt der Alten befreit, die eine böse Hexe ist. Sie hatte mich in einen Baum verwandelt, und alle Tage ein paar Stunden war ich eine weiße Taube, und solang sie den Ring besaß, konnte ich meine menschliche Gestalt nicht wiedererhalten.“ Da waren auch seine Bedienten und Pferde von dem Zauber frei, die sie auch in Bäume verwandelt hatte, und standen neben ihm. Da fuhren sie fort in seinem Reich, denn er war ein Königssohn, und sie heirateten sich und lebten glücklich.

Nachgedacht

Warum scheint das Überleben im Wald unmöglich? Ist die Verbindung zur Natur verloren gegangen? Selbst das Dienstmädchen scheint in der Wildnis völlig verloren zu sein, aber zumindest bleibt sie lebendig.

In so einer dramatischen Situation findet sich der Mensch in Gefahr und Angst wieder. Unser Dienstmädchen, das bisher von ihrer Herrschaft beschützt wurde, ist nun hungrig und einsam auf sich allein gestellt. Es zeigt sich aber – märchentypisch – bald schon die Helfer in der Not. Für Nahrung, Bett und Kleidung wird gesorgt.

Was ist das für einen Schlüssel , der die äußere Schale der Dinge aufschließen kann? Und wie in vielen Märchen, spielt hier das Gold wieder eine ‚Schlüsselrolle‘. Mit dem goldenen Schlüssel der Erkenntnis kann alles geschlossen werden und hilfreich sein. Welch wunderschönes Symbol!

Nach dem stillen Leben, dem Rückzug aus der geschäftigen Welt, ist das Mädchen innerlich gereift und bereit, Verantwortung zu übernehmen und zu handeln. Es tut nun seinerseits einen Dienst.

Alle Mutproben wurden vom Mädchen bestanden: sie konnte schweigen, als es darauf ankam, und handeln, als sie gehindert wurde. Und sie ließ sich von dem kostbaren Schatz nicht ablenken und blenden, sondern verfolgte standhaft ihr Ziel, denn ihre Absicht war edel und zügellos.

Was will uns der Vogel sagen, der den Ring im Schnabel hat und im Käfig der Hexe sitzt? Vielleicht dreimal gefangen ? Der Ring ist im Schnabel des gierigen Vogels gefangen, der Vogel im Käfig und der Käfig in der Hand der Hexe.

Warum ein einfacher Ring? Er deutete vielleicht auf die Verbindung des Königssohns mit einem einfachen Mädchen hin. Diese Einfachheit hilft in diesem Fall dem Königssohn, wieder „menschlich“ zu werden. Der Ring ist ebenfalls ein sehr altes Symbol, zum einen für die Verbindung, sofern er etwas umschließt, und zum anderen für die Ewigkeit, weil er ohne Anfang und Ende ist.

Schließlich wird das Männliche aus der zwanghaften Bindung befreit, und Mann und Frau vereinen sich... Dann leben sie ein reiches und glückliches Leben und fühlen sich nie mehr einsam. Ein märchenhaftes Happy End.

Herzliche Grüße

Katrin Bamberg

Öffentliche Erzähltermine:

Sonntag, 06.04.2025 15 Uhr, Norsingen Möbelschau - Schatzsuche

Freitag, 11.04.2025 19 Uhr, Kirche Sand - Wunschpunsch

Freitag, 25.04.2025 17 Uhr, Kräuter und Märchen - LF Sand

Mittwoch, 30.04.2025 19 Uhr, Walpurgisnacht - Theater der 2 Ufer

Sa/So, 3.+4.05.202, Bogenwald/ Niedersachsen - Märchenwochenende

Freitag, 23.05.2025 19 Uhr, Kirche Sand - Wunschpunsch

Sonntag, 25.05.2025 15 Uhr, Theater der 2 Ufer - Zauberwaldmärchen