Loslassen, Schenken, Bleiben
Drei Gedichte zum Muttertag – und mit Aussicht auf den Vatertag
Die größte Mutterliebe zeigt sich nicht im Festhalten, sondern im Freigeben. Klaus Huber widmet allen Müttern ein Gedicht, das den Bogen spannt vom Hegen bis zum Loslassen – und zum schönsten Lohn:
Mütterliche Haltung
Mütter sollten es erwägen,
einerseits Kinder zu hegen,
ebenso, den Mut zu fassen,
sie beizeiten loszulassen.
Sie schätzen an ihren Gaben,
wofür sie zu danken haben,
doch auch Großmut, sie im Leben
rechtzeitig gern freizugeben.
Später werden sie ihr danken,
dass sie liebte ohne Schranken,
um dabei den Wunsch und Willen
einst nach Freiheit zu erfüllen.
Größter Lohn ist – unbenommen –,
wenn sie – erwachsen – wiederkommen.
Und auch die Väter dürfen sich angesprochen fühlen. Denn Schenken ist eine Kunst – und manchmal sind es die leisen Töne, die am tiefsten wirken:
Überlegtes Geschenk
Ich wähle mehr die leisen Töne,
mit denen ich oft die verwöhne,
die Sinn haben für jene Gaben,
von denen sie zu leben haben.
Ihr Echo kann für mich auf Erden
beruhigende Nahrung werden,
dass ich nicht ganz vergebens schreibe
und denen stets verbunden bleibe,
die dankbar von den Tönen zehren,
weil sie im Grund sie leben lehren.
Das dritte Gedicht fasst zusammen, was alle drei verbindet: Der wahre Schatz im Leben sind nicht Dinge – es ist die Zeit, die wir einander schenken:
Schätze
Schätze sind, wenn wir im Leben
immer wieder andern geben,
ihnen Leben leichter machen,
ihre Dankbarkeit entfachen.
Ihnen Zeit schenken, verweilen
lässt auch manche Wunden heilen.
Sie können es tief ermessen,
wenn wir sie niemals vergessen
und trotz eifrigem Geschehen
keine Nöte übersehen.
In dem oft selbstlosen Treiben
wird ihnen erinnernd bleiben,
was wir tun zu ihrer Zeit,
wirkt als Schatz in Ewigkeit.
wirkt als Schatz in Ewigkeit.