#RegioGesprĂ€ch: Wie ein Weltreisender aus Ădsbach nach drei Berufen, drei Kontinenten und einem Anruf seines Vaters die Destillierkunst im Renchtal neu interpretiert.
Lesezeit: ca. 4 Minuten - von Andreas Peter Geng
Vom Gourmetkoch zum Schwarzwald-Brennmeister: Was haben ein Sterne-Restaurant im Hochschwarzwald, ein Filmcatering in Hamburg, ein Motorrad in der Sahara und ein zwölf Jahre altes Whisky-Fass gemeinsam? Sie alle haben Johannes MĂŒller-Herold zu dem gemacht, was er heute ist: Brennmeister in Ădsbach - und einer der ungewöhnlichsten Destillateure weit und breit.
Juni 2026, Oberkirch-Ădsbach, apg: Es gibt Orte, die man erst verlassen muss, um sie wirklich zu verstehen. Johannes MĂŒller-Herold ist in Ădsbach geboren, hat dreissig Jahre lang die Welt bereist - Hamburg, Australien, Neuseeland, SĂŒdostasien, Westafrika mit dem Motorrad - und ist schliesslich dorthin zurĂŒckgekehrt, wo er aufgewachsen ist: in das Haus seines Onkels, einen Steinwurf vom Waldhotel GrĂŒner Baum entfernt, in dem sein Vater einst GĂ€ste bewirtete. Heute entstehen in der Brennerei Destillate, Whisky und Liköre, die in dieser Form im Ortenaukreis ihresgleichen suchen.
âIch habe drei Berufeâ, sagt MĂŒller-Herold im GesprĂ€ch, und man hört das leise Schmunzeln in seiner Stimme. Gelernter Koch, Gross- und Aussenhandelskaufmann - und nun, seit 2008, Brennmeister. Nicht weil er das je so geplant hatte. Sondern weil sein Vater im Dezember 2007 in Neuseeland anrief und sagte, er wolle aufhören. âIch dachte: Das ist meine Chance, aus der Gastronomie auszusteigen.â Was zunĂ€chst wie eine Flucht aus der Gastronomie klang, wurde zur RĂŒckkehr in die Heimat - und zu einer völligen Neuerfindung.
Dreissig Jahre als Gourmetkoch haben MĂŒller-Herold etwas vermittelt, das kein Lehrbuch lehren kann: ein feines VerstĂ€ndnis fĂŒr Aromen, ihre Balance und ihre Tiefe. âIch kann mein Know-how dazu benutzen, ganz andere Sachen zu kreierenâ, erklĂ€rt er.
Und dann erzĂ€hlt er von seinen Erlebnislikören, bei denen er sich etwas gedacht hat, was in der Branche eigentlich selbstverstĂ€ndlich sein sollte, aber selten ist: dass man wirklich schmeckt, was auf dem Etikett steht. Nicht als wilde Mischung, sondern nacheinander, klar und erkennbar. Erdbeer. Orange. Chili. Drei Aromen, drei Geschmacksmomente in einem Glas. Das klingt einfach, ist aber das Ergebnis eines TĂŒftlers, der Verfahren aus der KĂŒche und der Brennerei miteinander verbindet und dafĂŒr sogar eigene technische Lösungen entwickelt.
Bis heute wissen viele Einheimische nicht, dass die Brennerei GrĂŒner Baum und das gleichnamige Hotel zwei eigenstĂ€ndige Betriebe sind. Bereits um das Jahr 2000 löste MĂŒller-Herolds Vater die Brennerei aus dem Hotelbetrieb heraus - ein mutiger Schritt, den sein Sohn seit 2008 konsequent weiterentwickelt. In diesem Jahr feiert die eigenstĂ€ndige Brennerei ihr 25-jĂ€hriges Bestehen - passend zu den Heimattagen Oberkirch und 300 Jahren Brennrecht in der Region.
âViele machen einen Bogen drum, weil sie denken, da gibtâs halt das normale Zeug.â
Ein Irrtum, den ein einziger Besuch korrigiert.
Seine Preise hĂ€lt die Brennerei bewusst moderat: âIch möchte, dass unsere Produkte fĂŒr möglichst viele Menschen erschwinglich bleiben - das gehört zu unserer Philosophieâ
Wussten Sie schon? - 5 Fakten zur Brennerei GrĂŒner Baum
âș Zehn Generationen Brennerfamilie - Ursprung als KĂŒfer (Fassbauer) seit 1645.
âș Edle BrĂ€nde, alemannischer Whisky und Erlebnisliköre aus eigener Entwicklung.
âș Ădsbacher Gebirgsquellwasser aus der âMoosâ sorgt fĂŒr höchste Reinheit.
âș Whisky aus Bio-Emmer gebrannt - altes Ur-Getreide aus dem SchwarzwĂ€lder Hochland.
âș Direkt am Oberkircher Brennersteig gelegen - abbiegen lohnt sich.
Den Grundstein fĂŒr seine Whisky-Serie legte Johannes MĂŒller-Herold bereits 2010, als die ersten Emmer-Destillate in EichenfĂ€sser eingelagert wurden. SchwarzwĂ€lder Whisky war damals noch kein Trend. Die Idee dazu trug er jedoch schon lĂ€nger mit sich herum. âBeim Whisky-Tasting in Neuseeland fragte mich jemand: âWarum macht ihr Deutschen eigentlich keinen Whisky? Ihr habt doch alles.ââ Dieser Satz liess ihn nicht mehr los. Seitdem sucht MĂŒller-Herold fĂŒr jeden Whisky sorgfĂ€ltig ausgewĂ€hlte FĂ€sser, deren unterschiedliche Aromen dem Destillat Schicht fĂŒr Schicht Tiefe und Charakter verleihen. Was heute in den Flaschen landet, beginnt lange zuvor mit der Wahl des richtigen Holzes - und mit der Geduld, der Zeit ihren Anteil zu ĂŒberlassen.
Eines dieser Ergebnisse ist der sMurf. Zwölf Jahre reifte der Single Malt aus Emmer-Getreide - zunĂ€chst fĂŒnf Jahre in einem ehemaligen Ardbeg-Fass, das ihm rauchige Islay-Noten mitgab, anschliessend sieben weitere Jahre in einem Oloroso-Sherryfass aus Andalusien. Seine Whiskys - echte Unikate und streng limitierte Kleinserien von lediglich 300-500 Flaschen.
An seiner Seite steht Gudrun Herold, seine Frau, eine Berlinerin, die er einst in Hamburg kennenlernte. Sie kĂŒmmert sich um die Buchhaltung, hilft bei Produktion, AbfĂŒllung und Etikettierung, unterstĂŒtzt Veranstaltungen und fĂŒhrt daneben ein Yogastudio sowie Kurse mit der Rahmentrommel.
Eine Frau also, die, wie ihr Mann, in verschiedenen Welten gleichzeitig zu Hause ist.
Und was kommt als NĂ€chstes? MĂŒller-Herold hat bereits die nĂ€chste Idee in der Flasche: eine Barkeeper-Linie. Er tĂŒftelt gerade an alkoholfreien Mocktails, die sich je nach Bedarf mit einem hochwertigen einheimischen Obstbrand oder Likör zu alkoholischen Cocktails verwandeln. âWir brauchen ein Gegengewicht zu den geschmacksneutralen Industriespirituosenâ, sagte MĂŒller-Herold. âEinheimische ObstbrĂ€nde wurden bislang viel zu selten als Cocktailbasis gedacht.â Einen Espresso Martini mit Johannisbeer-Butterkaramell statt Wodka? Der Versuch sorgte beim jĂŒngsten Barkeeper-Seminar fĂŒr angenehm ĂŒberraschte Gesichter.
Die Brennerei ist lĂ€ngst mehr als ein Verkaufsraum. Seit Mai 2026 stehen auf dem GelĂ€nde neu gestaltete VeranstaltungsrĂ€ume fĂŒr private Feiern, Ausstellungen oder Konzerte zur VerfĂŒgung. Das GartenlĂ€dele bietet Platz fĂŒr bis zu 25 Personen, die Eventlocation in der Brennerei fĂŒr bis zu 60 GĂ€ste. Der Garten kann bei Bedarf ergĂ€nzt werden. Auf Wunsch ĂŒbernimmt unser Catering-Service die Bewirtung.
Wer also das nÀchste JubilÀum, die nÀchste Vernissage oder einfach einen besonderen Abend im SchwarzwÀlder Ambiente plant - hier ist die Adresse.
Wem die Brennerei GrĂŒner Baum bislang unbekannt war, sollte am Oberkircher Brennersteig dem Schild âWarum das Beste links liegen lassen?â folgen und den kleinen Abstecher von gerade einmal 50 Meter wagen. Es könnte gut sein, dass dort einer der ungewöhnlichsten Brennmeister des Schwarzwalds auf seine Besucher wartet.
| Betrieb | Brennerei GrĂŒner Baum |
| Adresse | Alm 35, 77704 Oberkirch-Ădsbach |
| Ăffnungszeiten | Di. bis Sa. 10 bis 13 und 15 bis 19 Uhr |
| Telefon | 0170 - 58 98 905 |
| Web | www.brennerei-gruener-baum.de |
Bestellen und mehr erfahren: Webshop unter brennerei-gruener-baum.de - die âFlaschenpostâ (Newsletter) lohnt sich: JubilĂ€umsaktionen und neue Editionen erscheinen dort zuerst.
Text und Recherche: Andreas Peter Geng [apg] / Regio-Ortenau.de