Aufbrechen, ankommen, weiterdichten
Acht neue Gedichte zwischen Sommerpause, Weltsorge und stillem RĂĽckzug
Wenn das Leben zur Tortur wird
Manchmal braucht es acht Zeilen, um das Wesentliche zu sagen. Nicht aufschieben, nicht aushalten – gehen:
Dringendes BedĂĽrfnis
Wird das Leben zur Tortur,
empfiehlt sich dringend eine Kur,
die GefĂĽhle neu beschwingt
und uns neue Kräfte bringt.
Hierfür ist es nie zu spät.
Was uns nun zu Herzen geht:
dass wir ein Signal versteh'n,
aufbrechen, beizeiten geh'n.
Und wohin fĂĽhrt dieser Aufbruch? In die Stille. In jene Idylle, die nicht Flucht ist, sondern Kraftquelle:
Tiefe Erfahrung
Der RĂĽckzug in die Idylle
lässt uns erfahren jene Stille,
die wir im Alltag mĂĽhsam suchen,
um – nur für uns – Zeit zu buchen.
Hieraus erwächst uns jene Kraft,
die, nun gestärkt, den Alltag schafft.
Erinnern wir uns an die Zeit,
sind wir von Hektik nun befreit.
Schatten, Träume, Tapetenwechsel
Der Sommer 2026 ist heiß. Klaus Huber sucht den Schatten – und findet dort mehr als Kühle:
Sommerliche EindrĂĽcke
In dem Schatten alter Bäume
– da erwachen stille Träume,
die wir momentan genieĂźen,
wenn sie in dem Innern sprieĂźen.
Lieber Schatten zugewandt,
als unter Sonne „hirnverbrannt".
Mitte August waren Klaus und seine Frau in Bad Waldsee. Was als kurze Auszeit begann, wurde zur Entdeckungsreise – und zum Gedicht:
Richtiger Augenblick
Manche Auszeit kommt gelegen,
fĂĽhrt uns zu ganz neuen Wegen,
um nun Abstand zu gewinnen,
neue Ziele zu ersinnen,
lockt uns in ganz neue Welten,
zu Gewichten, die nun gelten,
neue Bilder auch zu sehen,
die uns sehr zu Herzen gehen.
Tapetenwechsel kann beflĂĽgeln,
und kein BedĂĽrfnis ist zu zĂĽgeln,
um uns zu Bahnen hin zu zwingen,
die uns belasten und nichts bringen.
Kommen wir von dort zurĂĽck,
winkt uns wieder neues GlĂĽck.
Entdeckungsreise
– eine Hommage an Bad Waldsee –
Es bedarf oft weiter Strecken,
um Juwelen zu entdecken,
die in stillen Ecken liegen,
im Erleben so viel wiegen.
Stets von neuem zu versuchen,
Tage dort erneut zu buchen,
gilt es noch im Leben finden,
um in Seligkeit zu mĂĽnden.
Wer den Mut hat fĂĽr den Sprung,
bleibt im Leben ewig jung.
Carpe Diem – auf Huber'sch
Doch hinter dem Sommerglück steht eine ernste Mahnung. Nicht alles lässt sich aufschieben. Nicht alles wartet. Klaus Huber weiß das – und sagt es ohne Umschweife:
Rechtzeitige Ăśberlegung
Allzu schnell endet die Frist,
wo einst nicht mehr möglich ist,
was du lange schon geplant,
wobei es innerlich uns schwant,
dass aufschiebend du verpasst,
was du nicht verwirklicht hast.
Nicht endlos dauernd ist die Zeit
und du nicht fähig und bereit,
zu genieĂźen, wie gewohnt,
was dein MĂĽhen doch belohnt.
Vergeblich ist dein Klagen dann,
wenn man nur noch bereuen kann,
ist ein Zeitpunkt einst verfehlt
für das, was im Leben zählt.
Licht in die Welt bringen
Dann kommt der 20. August. Die Nachrichten sind voll von Krisen. Klaus Huber fragt sich, ob man in solchen Zeiten noch willig alt werden kann – und gibt sich selbst die Antwort:
Turbulente Zeiten
Es sind turbulente Zeiten,
durch die wir – unruhig – gleiten.
Ich beginne nun zu bangen:
Was wird noch zu uns gelangen?
Bin ich weiter noch auf Erden
willig, trotzdem alt zu werden?
Tag fĂĽr Tag heiĂźt es bestehen,
bis wir wieder Hoffnung sehen,
dass das Blatt sich einmal wendet
und es doch versöhnlich endet.
Im Bewusstsein, nicht zu ruh'n
und das Mögliche zu tun,
mĂĽhe ich mich in dem Leben,
nur mein Bestes noch zu geben,
hoffend, dass mir viele folgen
und auch unter grauen Wolken
um die rechten Wege ringen,
Licht in unsere Welt zu bringen.
Der stille RĂĽckzug
Und dann, heute Morgen, das jüngste Gedicht. Wie eine Antwort auf alles, was vorher kam. Nach dem Aufbruch, der Weltsorge, dem Carpe Diem – der Wunsch nach Stille. Nach jenen schmalen Gassen, in denen nichts dröhnt:
Einsame Wege
Durch ganz stille, schmale Gassen
ziehe ich bislang gelassen.
Laute Klänge können nerven.
Es drängt mich, sie zu verwerfen,
wenn sie in den Ohren dröhnen,
nur belasten statt verwöhnen.
Lässt dies keine Ruhe finden,
um ganz bei sich selbst zu mĂĽnden,
lockt es mich, dem zu entfliehen,
in Winkel sich zurĂĽckzuziehen,
was mich innerlich erfĂĽllt
und mein Sehnen danach stillt.
bleibt im Leben ewig jung.